Mit netten Ärztinnen ist alles möglich

Ich fahre mit dem Taxibus zu einem meiner seltenen Arzttermine. Diesmal ist es eine Zahnreinigung. Meine Zahnärztin hat mich dafür extra in eine Zahnklinik geschickt, weil „die sich da so gut auskennen, gerade wenn es sich um einen schwerbehinderten Patienten handelt, der nur im seinem Rollstuhl behandelt werden kann. Ich habe dennoch auf der Hinfahrt etwas Bedenken, da es beim Zahnarzt grundsätzlich etwas kompliziert ist. Der Schlauch des Atemgerätes ist im Weg und ich bekomme meinen Mund nicht so weit auf.

Als ich ankomme, scheint sich mein ungutes Gefühl zu bestätigen: Einen Fall wie mich hätten sie ja noch nie behandelt, sagt mir die Dame an der Anmeldung. Das bestätigt auch die Arzthelferin, die von Tuten und Blasen ja mal gar keine Ahnung hat.

Dann kommt die Ärztin und ich bin froh, dass ich alles bald hinter mir habe. Eine sehr nette Ärztin, total freundlich, strahlt Ruhe aus und hört sich genau an, um was es geht. Sie bestätigt zwar ebenso, dass sie so jemand wie mich noch nie behandelt hat, sieht aber keine größeren Schwierigkeiten. Natürlich ist es für die Ärztin nicht so einfach, da sie durch meine geringe Mundöffnung die hinteren Backenzähne nicht sieht. Aber was sie sieht, findet sie sehr gut. Gott sei Dank habe ich schon immer sehr gute Zähne gehabt. Die Reinigung dauert deshalb nicht besonders lange. Ich werde auch fast nicht nass, obwohl mich die Ärztin vorsorglich mit zwei riesigen Decken abgedeckt hat.

Als alles vorbei ist, bin ich dennoch erleichtert. Es ist auch ein Verdienst der Ärztin, dass alles problemlos gelaufen ist: Sie erklärt mir alles ganz genau, ist sehr vorsichtig und geht sehr professionell vor. Am Ende will sie noch genau wissen, wie das bei meinem Rollstuhl alles funktioniert und zeigt sich beeindruckt von meinem Handwärmer. Erleichtert und zufrieden fahre ich wieder nach Hause.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Eine Zahnreinigung ist auch mit Beatmungsgerät möglich!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Ärzte brauchen vor allem im Umgang mit Behinderten Patienten Fingerspitzengefühl.

Gaffer mit den eigenen Waffen schlagen

Anfang des Jahres hörte ich davon, dass der Katholikentag dieses Jahr in Mannheim stattfindet. Als Heidelberger und gläubiger Christ habe ich einen Besuch dieses Ereignisses gleich auf meinen Jahresplan gesetzt. Zum einen weil ich auf interessante Vorträge gehofft habe, zum anderen war ich neugierig, wie sich die Katholiken in der Öffentlichkeit präsentieren und wie sie mit dem Thema Behinderung umgehen würden.

Aber der Reihe nach: Als wir in Mannheim ankommen, stürze ich mich zusammen mit meinem Helfer ins Getümmel. Es ist mal wieder wie immer: Je mehr Menschen unterwegs sind, desto mehr potentielle Schaulustige habe ich zu befürchten. Ich schaffe es problemlos, die Aufmerksamkeit vieler Kirchentagsbesucher auf mich zu lenken. Irgendwann meint mein Helfer zu mir, dass es ja ganz schön krass sei, wie viele Menschen mich anstarren.

Ich erzähle ihm die Geschichte von meinem Urlaub mit meiner Schwester in Prag. Sie machte sich einen Spaß daraus und rief jedem, der mich länger als fünf Sekunden anschaute, lauthals den Aufschrei „GuckGuuuck“ hinterher. Mein Helfer ist sofort „Feuer und Flamme“ und kringelt sich vor lachen. Er will das jetzt unbedingt sofort ausprobieren und ich habe keine Chance mehr, ihn davon abzuhalten…
Er hat den Rest vom Tag wahnsinnig viel Spaß und wir können uns teilweise das Lachen nicht verkneifen. Manchmal tun mir die Leute, die Opfer meines Helfers werden, fast leid. Hin und wieder übertreibt er es und ich gestehe mir ein, dass ich manche Menschen  genauso komisch anschaue. Dennoch haben es einige so genannte „Gaffer“ verdient, dass wir ihnen eine kleine Lektion erteilen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Ein bisschen Spaß muss sein!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: So außergewöhnlich sind E-Rollstuhlfahrer nun auch wieder nicht.

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Immer wieder Dienstags

Ich pace mit Karacho zur Straßenbahnhaltestelle, weil ich mal wieder spät dran bin. Mein Helfer hechelt hinterher. Es geht zum allwöchentlichen Filmabend zu meinen Kumpels. Wieso ich eigentlich immer so spät dran bin? Also zum einen benötigt ein E-Rollstuhl-Fahrer wie ich immer für alle Dinge etwas mehr Zeit, zum anderen aber ist es selbstverschuldet, da ich immer denke, so viel wie möglich noch erledigen zu müssen. Der alltägliche Wahnsinn eben!

Seit ich wegen meines Umzugs mit der Bahn zum Filmabend muss, bin ich immer pünktlich bei meinen Freunden. Die Bahn zwingt mich quasi dazu, ich muss lediglich immer Vollgas geben dank meines großzügigen Zeitmanagements.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich überhaupt kein Filme-Gucker bin und viel lieber die ganze Zeit mit meinen Kumpels reden würde. Aber sie bemühen sich wirklich sehr, um mir möglichst Marcel-gerechte Filme vorzusetzen. Diesmal kommt Iron Man 2, ganz ok, aber ich bin müde, träume vor mich hin und will heim. Beim Blick auf die Uhr wird mir klar, dass ich so schnell wie möglich losfahren muss. Schnell bespreche ich mit meinen Kumpels die letzten Details und lasse mich anziehen. Dann geht’s mal wieder ab, mit Vollgas schieße ich um die nächsten Kurven, der Wettlauf mit der Straßenbahn beginnt. Es ist unglaublich, aber als ich die Haltestelle erreiche, fährt gerade die Bahn ein. Puh, mal wieder gut gegangen!

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Wer zu spät dran ist, den bestraft nicht immer die Straßenbahn.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Wer mit E-Rollstuhl-Fahrern unterwegs ist, muss fit im Schritt sein.

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Einkaufen

Ich bin unlängst in eine größere, schönere und rollstuhlgerechte Wohnung umgezogen. Außerdem ist sie nur 5 Minuten vom nächsten Supermarkt entfernt. Das möchte ich natürlich sofort ausnutzen und begleite meinen Helfer beim Einkauf. Ich habe jedoch nicht bedacht, dass am nächsten Tag Feiertag ist und der Laden vor Menschen wimmelt. Ich komme kaum vorwärts und anstatt die meisten Einkäufer schnell an mir vorbeigehen, begutachten sie mich lieber eine gefühlte halbe Stunde. Das ist unnötig, kostet nur Zeit und hält den Verkehr im Laden auf. Als ich endlich auf einen menschenleeren Gang stoße, gebe ich Vollgas. Dabei kommt mir eine ältere Dame in die Quere und erschrickt total. Keine Sorge gute Frau: Ist doch nur ein motorisierter Rollstuhl mit etwas zuviel PS.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Kaufe nie wieder vor einem Feiertag ein und flitze nie mehr zu schnell um Regalecken.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Auch Supermarktregale schützen nicht vor Unfällen!

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So wurde ich zum Texter

Die Suche nach einem Praktikumsplatz fürs Politikstudium stellte sich als sehr langwierig heraus. Durch einen nützlichen Hinweis des Behindertenbeauftragten blieb ich beim Studentenwerk hängen und traf die sehr engagierte Öffentlichkeitsarbeiterin. Endlich einmal jemand, der sich einsetzte und dem nicht alles zuviel war. Bei meinem Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Studentenwerks konnte ich einige Pressemitteilungen und Artikel schreiben sowie Interviews führen. Es war ein gelungener Praxistest, der Spaß machte.

Das Praktikum nahm rückblickend einen bedeutenden Stellenwert in meinem Werdegang ein. Es war der Auslöser für jene Tätigkeiten, die ich jetzt ausführe und auch zukünftig ausführen werde: Das Texten, den Journalismus und die Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit. Zunächst führte es dazu, dass ich als Mitarbeiter der Studentenzeitschrift Artikel über die Universität, den Uni-Alltag und die Serviceleistungen für Studenten Artikel verfasste. Da mir das Schreiben viel Spaß bereitete, stand meine Entscheidung – später als Texter und Journalist zu arbeiten – schon bald fest.

Nach dem Studium sammelte ich bei einem Praktikum in der Kommunikationsabteilung der SRH wertvolle Erfahrungen. Mein Chef war genauso, wie man sich einen guten Chef vorstellt: nett, freundlich, fordernd, fördernd und immer mit der nötigen Lockerheit. Ganz toll war, dass meine Einschränkungen als E-Rollstuhl-Fahrer für ihn gar keine Rolle spielten. Er gab mir die nötige Flexibilität und erklärte, dass es nicht darum gehe, möglichst viel Zeit im Büro zu verbringen und es zu bewohnen. Aufs Ergebnis kam es ihm an.
Schade, dass es noch zu wenige Chefs gibt, die so denken, und meine nachfolgenden Geschäftspartner nicht alle das Beste mit mir im Sinn hatten. Eine sehr schlechte Bezahlung – was ja noch zu ertragen war – und noch viel schlimmer: Falsche Versprechungen. Als ich bemerkte, dass ich mich auf die wenigsten Aussagen von den Geschäftspartnern meines bisherigen Berufslebens verlassen konnte, wusste ich, dass der Beruf als Freier Texter und Journalist ziemlich hart werden wird. Es ist ein blödes Gefühl, ausgenutzt zu werden. Andererseits dachte und denke ich immer, dass mich jeder Artikel ein Stück weiterbringt. Bedenken habe ich keine, denn der richtige Job wird mit großer Sicherheit kommen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Mit dem richtigen Chef ist alles möglich!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Die meisten E-Rollstuhl-Fahrer sind Arbeitstiere von großer Zähigkeit.

Bewerbungsgespräch an einer deutschen Hochschule

Ich bin mal wieder unterwegs zu einem weiteren Bewerbungsgespräch. Diesmal geht’s an eine Hochschule. Ich glaube, so intensiv habe ich mich noch nie auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet. Ich sollte im Vorfeld eine Kurzpräsentation der Hochschule und zwei weitere kleine Artikel schreiben sowie ein Konzept für zukünftige Pressearbeit erstellen. Naja, ganz schön viel Arbeit, aber es bringt einen ja weiter! Im Auto gehe ich in Gedanken noch einmal mein Konzept durch und nach einer extra Runde in der Innenstadt sind wir auch schon da.

Ich werde nur kurz nervös, da der normale Aufzug für mich eine Nummer zu klein ist, aber zum Glück gibt es ja Lastenaufzüge! Oben erwartet mich auch schon ein Mitarbeiter der Hochschule: Ich soll in 30 Minuten eine Pressemitteilung schreiben über ein Thema, das ich vorher nicht kannte. Da mein Rollstuhl für den Büroraum zu groß ist, muss die Sekretärin erstmal Umbaumaßnahmen vornehmen. Bis alles passt, sind 10 wertvolle Minuten verstrichen. Aber egal jetzt, ich versuche locker zu bleiben und mit Köpfchen vorzugehen. Es läuft ganz gut und ich merke zum Glück nicht, dass der Mitarbeiter bereits nach 20 Minuten wie ein „Presser“ an der Tür steht. Als er verkündet, ich solle doch nun bitteschön zum Ende kommen, bin ich erstaunlicherweise recht entspannt. Trotzdem finde ich es etwas dreist, dass ich nicht 10 Minuten länger Zeit bekomme, wäre ja nur fair.

Ich fahre hinter ihm her ins Besprechungszimmer, wo sieben weitere Hochschul-Menschen auf mich warten. Eine gewisse Skepsis bei den Beteiligten ist kaum zu verkennen und für mein Empfinden stelle ich mich bei den Fragen nicht gerade gut an. Nach dem Gespräch zeigt sich der Hochschul-Mitarbeiter von seiner besten Seite und begleitet mich bis zum Ausgang. Ich weiß nicht recht, was ich von diesem Gespräch halten soll und bin mir nicht sicher, ob dies überhaupt der richtige Arbeitsplatz für mich wäre. Ein paar Tage später wird mein seltsames Gefühl negativ mit einer spottbilligen Absage bestätigt.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Bewerbungsgespräche sind mit höchster Vorsicht zu genießen und du kannst dir nie sicher sein!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Auch E-Rollstuhl-Fahrer haben es drauf ;) wenn die Bedingungen passen…

Schlossbeleuchtung – aber nur mit Freunden, die Zivi-Eigenschaften haben

Ein guter Freund von mir möchte wissen, ob ich am Pfingstmontag mit ihm ein Orgel-Konzert in einer Heidelberger Kirche anhöre. Ich sage sofort zu, denn dieser Kumpel hat selten Zeit und ist wie ich fast immer schwer beschäftigt. Dafür nehme ich mal wieder die „Hoppelpiste“ der Heidelberger Altstadt in kauf. Da ich in meinem kleinen Rollstuhl sitze, dessen Vorderräder aus Hartgummi sind, schüttelt es mich besonders kräftig durch. Nach dem Konzert entschließen wir uns, noch in einem Brauhaus etwas zu essen. Weiter geht’s über alle Kopfsteinpflaster dieser Welt und plötzlich beginnt mein rechtes Vorderrad zu eiern. Ich lasse meinen Helfer nachschauen und dieser bestätigt meine Befürchtung: Das Rad hängt nur noch am seidenen Faden. Zum Glück habe ich immer ein Werkzeug-Notfall-Set dabei und mein Kumpel geht sofort auf Tauchstation. Mitten auf der Fußgängerzone stehe ich da, mein Freund halb liegend unter meinem Rollstuhl und kräftig am Schrauben. Schließlich geht es weiter.

Beim Brauhaus bin ich froh, dass ich meinen kleinen, leichten Rollstuhl dabei habe. Es geht drei Stufen hoch und der Eingang ist äußerst eng. Kurz vor 22 Uhr erwähnt mein Kumpel beiläufig, dass heute ja mal wieder Schlossbeleuchtung sei. Ich bin sofort hellwach, da ich die Schlossbeleuchtung noch nie live erlebt habe. Das Schloss sehe ich zwar nicht, bekomme aber wenig später das gigantische Feuerwerk auf der Brücke mit. Wir besprechen kurz, dass wir danach sofort zur Straßenbahn fahren, um den Menschenmassen und dem schlechten Wetter zu entgehen.

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Als der letzte Knall verhallt ist, beginnt der große Auftritt meines Kumpels. Er schnappt meinen Rollstuhl und sprintet mit mir zusammen los. Mein Helfer muss schauen, dass er hinterher kommt. Weil mein Kupel sein Fahrrad in der Nähe der Alten Brücke stehen hat, versuche ich ihn zu überzeugen, dass ich das letzte Stück zur Haltestelle mit meinem Helfer problemlos alleine schaffe. Aber er erwiedert nur, jetzt keine Experimente machen und seine Mission zu Ende bringen zu wollen. Mit Karacho geht’s Richtung Bismarckplatz, erstmals fahre ich direkt auf den breitesten Hauptstraßen Heidelbergs. Diese sind für die Schloßbeleuctung immer gesperrt. Als wir auf dem Bahnsteig ankommen, fährt gerade die Bahn ein. Ein klarer Fall von perfektem Timing. Ich bedanke mich und mein Kumpel beginnt, ungefähr zwei Kilometer zurückzulaufen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Es lohnt sich, über grobes Pflaster zu hoppeln.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Achtung, Rollstuhlfahrer können zu schnellen Geschossen werden.

Willkommen bei meinem Blog

„Marcel gibt Gas“ ist ein Alltagsknigge für den Umgang mit E-Rollstuhlfahrern bzw. E-Rollstuhlfahrerinnen und ein Ratgeber für E-Rollstuhlfahrer, wie sie sich gegenüber ihrer Umwelt verhalten sollten. Titelbild im Original

Der „Blogspot“ bringt das Leben eines E-Rollstuhlfahrers mit etwas Witz anschaulich rüber.

 

Neuer Beitrag im Themenbereich Freizeit:

Turnfest in der Rhein-Neckar-Region – Faszination Kunstturnen

Als alter Sportfanatiker, für den Fußball-Bundesliga Pflicht ist und sportliche Großereignisse wie Weltmeisterschaften und Olympische-Spiele ein absolutes Highlight darstellen, bin ich natürlich dabei, wenn das internationale Turnfest direkt vor meiner Haustür stattfindet. Ich interessiere mich auch für sogenannte Randsportarten, kann dafür aber kaum jemanden von meinem Freundeskreis begeistern. Mehr…

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Der Messe-DreiteilerTeile 1, 2 und 3: Die momentane Job-Situation, Messebesuch in Stuttgart und Karlsruhe – Der Vergleich und Fachlicher Überblick – Was gibt es Neues?

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