3) Wo bleibt der Blick aufs Positive?

Die Lockerungen sind bei vielen Menschen bereits voll im Alltagsleben integriert. Für alle Bundesländer gemeinsam gilt unter anderem: Alle Geschäfte dürfen seit letzter Woche wieder öffnen, Angehörige aus zwei Haushalten dürfen sich ab sofort wieder treffen und die Fußball-Bundesliga läuft wieder. Weitere Entscheidungen zur Umsetzung von Lockerungen dürfen die Bundesländer für sich allein treffen, zum Beispiel wann Kitas, Hotels und kulturelle Einrichtungen weder öffnen sollen. Um eine zweite heftige Infektionswelle möglichst zu verhindern, gilt ein Notfallmechanismus, nach dem im Ernstfall von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche die strengen Kontaktbeschränkungen wieder eingeführt werden müssen. Wie das unsere Gesellschaft aufnehmen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Weg in die Zukunft und zurück in die Normalität wird also ziemlich spannend, zumal es nun auf jeden Landkreis ankommt.

Zunächd möchte ich noch mal kurz innehalten und den Blick zurückwerfen, denn mir stellt sich eine wichtige Frage: Was bleibt vom Lockdown hängen? Wenn ich so manche Menschen reden höhere, könnte man meinen nur Negatives… Ich persönlich kann einige positive Aspekte erkennen! Haben wir womöglich etwas aus den letzten Wochen gelernt? Haben wir durch unsere ganz persönlichen Erfahrungen aus der letzten Zeit eine andere Perspektive oder Sichtweise bekommen?

Keine Frage: Die Corona-Krise war und ist für manche Menschen nicht nur hart, sondern verheerend! Einige kleinere Unternehmen und mühevoll aufgebaute Existenzen werden trotz staatlicher Hilfe Pleite gehen, was viele Arbeitsplätze kosten wird. Auch wenn es die Wirtschaft jetzt verdammt schwer haben wird und viele Mitmenschen vor einer ungewissen Zukunft stehen; Immerhin haben wir einen potenten Staat, der Selbstständige mit Soforthilfe unterstützt, einige Unternehmen retten oder Arbeitslosengeld sofort unbürokratisch bezahlen kann. Außerdem bietet die Krise uns allen die Möglichkeit, innovative Ideen zu kreieren, um diese spezielle Zeit kreativ zu umschiffen. Der renommierte Heizungsbauer Viessmann macht es vor und stellt einen Teil seiner Produktion auf dringend benötigte Beatmungsgeräte um. Dafür setzt der Mittelständler auf einen ambitionierten Plan: Die innerhalb von gerade mal drei Wochen entwickelten Beatmungsgeräte nutzen ausschließlich Teile, die Viessmann in seinen sonstigen Heizungsgeräten und Wärmepumpen einsetzt. Die Geräte hat das Unternehmen gemeinsam mit Krankenhausärzten und der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen im Schnellverfahren konzipiert. Hierbei handelt es sich freilich nicht um HighTech-Geräte, die auf einer Intensivstation und bei einer Intubation einsetzbar sind. Dafür eignen sie sich hervorragend für provisorische Hospitäler oder Feldlazarette bestens. Vor allem auch der Einsatz in Entwicklungsländern ist für Viessmann eine Option.

Gesundheit und Menschenleben haben Priorität

In einer sachlich geführten Diskussion bieten solche Beispiele Lockdown-Befürwortern die Chance, den Lockdown-Gegnern, denen der Ausstieg aus dem Lockdown viel zu lange dauert, nicht nur argumentativ zu begegnen, sondern auch ihre Sorgen vor der wirtschaftlichen Superkrise etwas zu nehmen. Aus meiner Sicht ist es zumindest schwer vorstellbar, dass unser Staat diesbezüglich seine Bürger komplett im Regen stehen lässt, auch wenn der Weg zurück für den einen oder anderen nicht einfach sein wird und die Mühlen der staatlichen Bürokratie oft viel zu langsam mahlen. Allerdings finde ich, dass es zuvorderst doch um die Gesundheit geht und darum, Menschen vor dem Tod zu bewahren. Nicht zuletzt hat unser Staat das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) zu erfüllen – immer im angemessenen Verhältnis, wie ich bereits mehrfach in meinem Corona-Blog erwähnt habe. Deshalb frage ich mich: Wieso sind wir nicht einfach erstmal dankbar, dass sich die Zahlen der Neuinfektionen so gut entwickelt haben?? In anderen europäischen Ländern waren die Maßnahmen zum Teil noch viel krasser, wenn ich nur an die Ausgangssperre in Spanien denke, wo die Menschen nicht mal das Haus verlassen durften.

Aber auch wenn mancher Coronamaßnahmen-Skeptiker nervt, muss das Ziel sein, zuerst unvoreingenommen und nüchtern nach dem Warum eines anderen Standpunktes zu fragen. Denn nachdem zunächst sehr viele Menschen hierzulande an einem Strang zu ziehen schienen und viele liebe gesunde Menschen ihren Mitmenschen aus der Risikogruppe Hilfe beim Einkaufen und sonstigen Erledigungen anboten, stehen sich die Befürworter und Gegner der politischen Corona-Maßnahmen inzwischen immer öfter unversöhnlich gegenüber. Hier sind wir alle -Befürworter wie Gegner- aufgefordert, bewusst gegenzusteuern und nicht einfach stupide auf unsere Meinung zu beharren, auch wenn wir vielleicht Recht haben. Bleiben wir doch lieber bei solidarischem Handeln und aufeinander Zugehen! Bei Hygiene- und Abstandsregeln darf es jedoch keine großen Ausnahmen geben, denn auf gewisse Normen und Regeln, die für alle gelten, muss sich eine Gesellschaft einlassen! Sonst öffnet sich für Egoismen der Menschen Tür und Tor. Aber auch hier gilt Maß halten und unseren Kindern nicht um jeden Preis eine Maske aufzuzwingen und sich aufzuregen, wenn diese mal jemand nicht ordnungsgemäß angezogen hat.

Viel Jammern hilft nicht viel

Als Teil der ambulanten Pflege, hätten ich und manch anderer Mensch mit Dauerbeatmung Grund genug, sich hinzustellen und zu jammern. Diese Variante habe ich nach einem ersten kurzen Schrecken für mich definitiv ausgeschlossen. Auch wenn es natürlich ärgerlich ist, dass ich bis heute keine Masken von meinem Versorger für Pflegehilfsmittel bekommen habe. Ein Beinbruch war und ist es deshalb noch lange nicht: Die Devise lautete deshalb ganz einfach selbst zu nähen und den gesunden Menschenverstand einzuschalten – etwa in Bezug auf Sinn und Zweck von schützender Ausrüstung und schützenden Maßnahmen. Ich kann und will es beispielsweise meinen Assistenten nicht zumuten, dass sie die ganze Zeit einen Mundschutz tragen. Zumal dieser in einer 24 Sunden Rundum-Versorgung nur bedingteen Nutzen hat. Mein eingebauter Virenfilter im Beatmungsgerät und regelmäßiges Lüften sind da doch um einiges effektiver. Deshalb habe ich mit meinen Leuten ausgemacht, dass sie nur bei der Körperwäsche und in den Momenten ohne Beatmungsgerät eine Maske aufsetzen sollen.

Aber um eines klarzustellen: Auch wenn ich die Dinge am liebsten positiv sehe und ich mich auf pragmatische Lösungen konzentriere, fällt es mir ebenso schwer, diszipliniert durchzuhalten und mich nicht so häufig und intensiv wie sonst mit Freunden zu treffen oder nur eingeschränkt. Oder jeden Tag wieder neu zu hoffen, dass ich nicht angesteckt werde und die Viren-Lage stabil bleibt!

Das Positive in der Krise

Bei allem Übel gilt es sich bewusst zu machen, dass jede Krise einen Wendepunkt bedeutet und einen Aufbruch zu neuen Erkenntnissen und Wegen möglich machen kann – also im Endeffekt etwas verbessert. Meines Erachtens hat uns oder zumindest mir die Krise mehrfach die Augen geöffnet!

  • Die Kontaktsperre hat mich motiviert, regelmäßig mit einem oder maximal 2 BegleiterInnen raus in die Natur zu fahren – vielmehr Sicherheit geht quasi nicht. Ich habe mal wieder bemerkt, dass es in der Rhein-Neckar- Odenwald-Region wunderschöne Natur gibt und man gar nicht weit weg fahren muss. Mir hat am Wochenende nicht mal der Fußball gefehlt, es war sogar mitunter erholsam 🙂 und wenn ich das als alter Fußballfan sage, dann muss da was dran sein. Ich könnte wetten, dass es einigen Menschen ähnlich ging und in ganz Deutschland wunderschöne Natur wiederentdeckt wurde; und neue Motivation entstand, wieder mehr für Umwelt und Klima einzusetzen, zum Beispiel weniger Reisen mit Flugzeugen! Denn so schön blau war der Himmel über Deutschland schon lange nicht mehr.
  • Das Gefühl, dass sich die Räder im Lande etwas langsamer drehen und der Alltagsstress etwas gedämpfter ist, hat gut getan. Diese „aufgezwungene Entschleunigung“, d.h. viel mehr Zeit für andere Dinge außer Arbeit und Freizeittermine zu haben, hat bei vielen Mitbürgern dazu geführt, mehr über sich selbst nachzudenken, längst verstaubt geglaubte alte Kontakte wieder aufzufrischen, zum großen Heimwerker zu mutieren und Dinge zu tun, für die sie schon lange keine Zeit mehr hatte.
  • Scheinbare Selbstverständlichkeiten wie die jährliche Geburtstagsfeier und der Besuch kultureller Veranstaltungen werden wir nach dieser Krise wieder viel mehr schätzen. Ich freue mich jetzt schon auf ungezwungene Grillabende in größerer Runde, Konzertbesuche, gemeinsame Gottesdienste in der Kirchengemeinde und Reisen ins Ausland.
  • Die Corona-Pandemie hat den Blick auf die systemrelevanten Berufsgruppen in unserem Land geschärft, weil ohne diese das Gemeinwesen nicht mehr funktionieren zum Erliegen gekommen wäre. Ich hoffe sehr, dass daraus ein nachhaltiges Bewusstsein in der Gesellschaft entsteht, wie viele engagierte Bürger in den genannten systemrelevanten Berufsgruppen arbeiten: Feuerwehrleute, ErzieherInnen, PolizistInnen sowie KassiererInnen. Da ich persönlich auf gute Pflege und persönliche Assistenz angewiesen bin und ich diese Arbeit sehr schätze, ist es mir ein besonderes Anliegen, dass Pflege- und Assistenzkräfte endlich die notwendige Honorierung bekommen. Und zwar nicht nur in Form von klatschenden Händen, sondern auch finanziell! Von Politikern hört man ja oft nur Lippenbekenntnisse, aber immerhin wurde schon vor Corona eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns für alle Pflegekräfte bis April 2022 beschlossen. Damit stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Lohnniveau in Zukunft insgesamt steigt. Also, ein Anfang ist gemacht und darauf lässt sich aufbauen.

Für mich ganz persönlich hat sich gezeigt, dass mir meine selbstbestimmte Lebensform gegenüber einer stationären Unterbringung im Heim die Möglichkeit gibt, individuell passende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Das Risiko, im Heim angesteckt zu werden, ist nicht unbedingt größer. Aber die Folgen einer einzigen Ansteckung wären fataler – wenn es dort ausbricht, hat es gefühlt jeder. Meine Selbstbestimmung wäre -wie ich schon angedeutet habe- bis auf weiteres völlig ausgesetzt. Auch die tatkräftige Unterstützung von außen (Freunde, Familie, Bekannte …), die ich für meine Lebensform brauche, wäre nicht mehr möglich.

Bei allen positiven Aspekten – meine Zeilen sollen keine Schönfärberei sein. Es ist klar, dass sich die Politik etwas überlegen muss: Ein zweiter Lockdown ist in vielerlei Hinsicht eigentlich nicht machbar und das neuartige Corona-Virus wird es wahrscheinlich auch noch im neuen Jahr geben. Aber nicht nur die Politik, sondern auch wir selbst sind gefordert: Denn wenn jeder im Krankheitsfall oder bei Symptomen einer Viruserkrankung zu Hause bleibt sowie die bereits „eingebrannten“ Hygiene- und Verhaltensregeln einhält, haben wir sehr gute Chancen, hier in Deutschland glimpflich davon zukommen. Jeder sollte für sich selbst Verantwortung übernehmen und ein möglichst solidarisches Verhalten an den Tag legen!

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Jede Krise bietet einen Neuanfang!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Jammern und schimpfen ist viel zu einfach und führt keinen Millimeter voran! Konstruktive Kritik und das richtige Mittelmaß sind das Gebot der Stunde.

Noch mehr Natur während dem Lockdown:

Meine Heimat Ostelsheim

Rheinauen bei Stockstadt am Rhein

Das Schattendasein der ambulanten Pflege

Ausführlich geht und ging die Presse auf die Situation in den „Corona-Hotspots“ Krankenhaus und Pflegeheim ein, was gut und wichtig ist und war. Leider hat sie einen gerade auch für mich absolut existenziellen Bereich vergessen die ambulante Pflege.Ich organisiere mein Assistenzteam selbst, angestellt sind die AssistentInnen bei einem ambulanten Pflegedienst. Eine höhere Verantwortung, den „Kunden“ nicht anzustecken, verschärfte Hygienemaßnahmen und Arbeiten in 24-36-Stundenblöcken führen zu einer nicht unerheblichen Mehrbelastung. Hinzu kommt die Problematik, dass ich als Teil außerklinischer Beatmung zur Zeit nur sehr zeitverzögert an Schutzausrüstung wie professionellen Mundschutz, Handschuhe und Hände-Desinfektionsmittel komme. Zum Glück bin ich als ordentlicher Schwabe gut strukturiert und habe noch etwas Vorrat 🙂

Meine derzeit immer noch größte Sorge ist aber: Was mache ich, wenn eine/r meiner AssistentInnen das Virus bekommt und gleichzeitig ein Großteil meines Assistenzteams ausfällt. Falls die ambulante Versorgung von Personen mit hohem Unterstützungsbedarf zu Hause nicht mehr gewährleistet werden könnte, müssten diese Menschen entweder zu ihrer Familie oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Das Horrorszenario Krankenhaus brauche ich nicht schon wieder, auch wenn das Pflegeteam bei meinem letzten Aufenthalt echt super war. Aber es gibt halt die üblichen organisatorischen und bürokratischen Probleme: Erstens wird Assistenz im Krankenhaus grundsätzlich nicht bezahlt, weil ja das Krankenhaus die Pflege sicherstellen muss (in der Praxis ist das bei mir aber nur in Ansätzen möglich, da die Unterstützung und Handreichungen, die ich brauche, sehr individuell auf mich abgestimmt sind). Im Falle des oben beschriebenen Szenarios hätte ich zeitweise sowieso nicht genügend Assistenten zur Verfügung, weil sie sich in Quarantäne befänden.

Der worst case wäre natürlich, wenn ich selbst erkranken und in Quarantäne kommen würde. Wer weiß schon, wen das Personal dann überhaupt noch zu mir vorlassen würde. Der eine oder andere Fall in den Medien, wonach Angehörige ein im Sterben liegendes Familienmitglied nicht sehen/besuchen dürfen, ist für mich ein absolutes Nogo. Dann müssen alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, zum Beispiel Besuch mit 100 % sicherer Schutzausrüstung.

Covid 19 verboten bei der persönlichen Assistenz

Also noch mal auf den Punkt gebracht: Für den Fall, dass ich ohne Assistenz und ein Familienmitglied in die Klinik müsste, hätte ich große Bedenken, dass sich die Ärzte und Pfleger angesichts der Corona-Krise für mich genügend Zeit nehmen könnten. Einige Betroffene haben noch schwerwiegendere Befürchtungen , nämlich dass sie bei einer möglichen „Triage“ aufgrund ihrer Behinderung keine lebensrettende Behandlung bekommen. Der Begriff “Triage“ kommt aus dem Französischen und bedeutet “Auswahl“ oder “Sichtung“. Im medizinischen Kontext beschreibt er die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen. Mithilfe des sogenannten „Triage-Systems“ sollen Ärzte und Pfleger leichter entscheiden können, wer zuerst behandelt wird. Dabei spielen die Erfolgsaussichten einer Behandlung eine entscheidende Rolle. Um diese bei der derzeitigen Pandemie und den jeweils bestehenden Ressourcen zu prüfen, haben die wichtigsten ärztlichen Fachgesellschaften Handlungsempfehlungen in einem Leitfaden verabschiedet. Hauptkriterien sind folgende:

  • den Schweregrad der Erkrankung
  • den allgemeinen Gesundheitszustand
  • mögliche Begleiterkrankungen, die die Diagnose verschlechtern können (z.B. eine fortgeschrittene Krebserkrankung oder Immunschwäche)

Wichtig dabei ist das Mehraugenprinzip: Am besten sollten mindestens zwei Ärzte der Intensivmedizin und ein erfahrenes Mitglied aus dem Pflegeteam gemeinsam entscheiden. Das klingt in der Theorie gut, Behindertenverbände wie die International Disability Alliance (IDA) oder der Behindertenaktivist Raul Krauthausen befürchten allerdings, dass Menschen mit schweren Behinderungen im Ernstfall benachteiligt werden. Was auf jeden Fall nicht passieren darf: Grundsätzlich und pauschal alle Menschen eines gewissen Alters und mit Behinderung –unabhängig von der patientenindividuellen Erfolgsaussicht von Behandlungen –negativ zu bewerten. Das Institut für Menschenrechte mahnte die deutsche Regierung, dass sie genau auf die Anwendung der Leitlinien achten muss!

Um auch noch etwas Positives zu sagen: Ich habe ehrlich gesagt ein positives Gefühl, denn zu einem derartigen Problem wird es gar nicht kommen; wir haben genügend gute und emphatische Ärzte – vor allem von der jungen Nachwuchsgeneration habe ich bislang diesen Eindruck! Allerdings finde ich es äußerst schade, dass bei der Erstellung des Leitfadens nicht die Meinung von Menschen mit Behinderung nicht mit einbezogen wurde. Das ist nicht inklusiv und man verzichtet auf wichtige Erfahrungen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Ambulante Pflege und außerklinische Beatmung brauchen unbedingt Unterstützung in der Corona-Krise, denn sie leisten einen großen Beitrag! Danke an alle, die das erkennen und sich dafür engagieren.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Jetzt heißt es Positiv Denken, seit jeher eines der wichtigsten Rezepte, um aus einer Krise gestärkt hervorzugehen!

2) Eindimensionale Berichterstattung in der Corona-Krise

Was ich zeitweise ebenfalls etwas schade und auch langweilig fand, war die recht eindimensionale Berichterstattung über die Corona -Krise. Eine lange Zeit ging es immer nur um Corona selbst. Immerhin haben meine FachkollegInnen im Verlauf der Pandemie einen genaueren Blick auf die von strengen Maßnahmen besonders in Mitleidenschaft gezogenen Bürgern geworfen! Die Besitzer von kleinen Geschäften, Restaurants, Selbständige oder auch zum Beispiel Regionen, die stark vom Tourismus leben. Zahllose, nicht mehr enden wollende  Reportagen über unsere Mitmenschen, die sehr stark von der Krise betroffen sind, waren die Folge. Auch wenn das wirklich tragisch ist und mich selbst auch immer wieder sehr erschüttert – irgendwann ist das Maß einfach voll und man kann die ewige Negativspirale nicht mehr sehen und hören. Zumal es irgendwann auf die Psyche schlägt …

Kaum ein Wort verlor die Politik und die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über die doch recht weitgehenden Grundrechtsbeschränkungen, wie zum Beispiel bei der Versammlungsfreiheit, der Freiheit der Person bei Quarantäne und beim Eingriff in das Brief- und Postgeheimnis, wenn schriftliche Mitteilungen möglicherweise Infizierter gelesen werden. Mein von mir geschätzter und renommierter Journalistenkollege Heribert Prantl hat sich sehr besorgt dazu geäußert und an die Verfassung erinnert, nach der bei Grundrechtseingriffen immer das mildest mögliche Mittel gewählt werden müsse; eine hierfür notwendige Debatte habe aber nicht stattgefunden. Er appellierte, „nicht nur entschlossen gegen das Virus kämpfen, sondern auch gegen eine Stimmung, die die Grund- und Bürgerrechte in Krisenzeiten als Ballast, als Bürde oder als Luxus betrachtet.” Da hat er nicht unrecht.

Die Kernfrage für mich ist, inwieweit die Menschen die Beschränkungen nur aus Angst recht klaglos hinnehmen und ob die Einschränkungen im rechtlichen Rahmen stattfinden. Die rechtliche Grundlage für die aktuellen Maßnahmen bietet vor allem das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Der Staat darf auch in der aktuellen Ausnahmesituation nur in unsere Grundrechte eingreifen, wenn dies verhältnismäßig ist. Wenn man sich laut der Juristin Anika Klafki die zentrale Norm des Infektionsschutzrechts, den § 28, Absatz 1 IfSG anschaut, stellt man fest, dass diese erstaunlich unbestimmt ist. Darin heißt es, dass Behörden die „notwendigen Schutzmaßnahmen“ verhängen können, „soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist“. Kürzlich wurde noch ergänzt: „Sie können insbesondere Personen verpflichten, den Ort, an dem sie sich befinden, nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte oder öffentliche Orte nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu betreten.“ Hierauf haben dann die Bundesländern unterschiedlich weitgehende Ausgangsbeschränkungen gestützt. Wichtig wäre Anika Klafki zufolge aber eine genauere rechtliche Regelung, unter welchen Umständen genau solche Maßnahmen verhängt werden dürfen – schon bei der saisonalen Grippe oder nur bei epidemischen Notlagen? Weitere interessante Ausführungen zum Thema „Grundrechtseingriffe in Zeiten von Corona“ sind unter https://freiheitsrechte.org/corona-und-grundrechte zu lesen.

Mit diesem Hintergrundwissen ist es sinnvoll und wichtig, zumindest darüber nachzudenken, was alles möglich wäre und wie Regierungen die derzeitige Situation für sich manipulieren könnten. Wenn die Bürger in der Türkei vier Stunden vor in Kraft treten von einer Beschränkung bzw. einem Grundrechtseingriff erfahren, grenzt dies tatsächlich an Willkür. Glücklicherweise gibt es da für mich auf Deutschland bezogen eine klare Antwort: Obwohl ich mitunter viel Vertrauen in die meisten deutschen Politiker verloren habe und oftmals Bürgernähe vermisse, glaube ich absolut nicht an Manipulation oder dauerhafte Einschränkung von Bürgerrechten. Warum sollte eine deutsche Regierung plötzlich zu einem totalitären Polizeistaat mutieren? Daran kann sie kein Interesse haben, zumal wir uns in der westlichen Welt so sehr an das freie Leben gewöhnt haben und es schätzen – auch die Politiker selbst. Corona darf nur nicht als Erklärung für alle Maßnahmen herangezogen werden – dies gilt es von uns allen sorgfältig zu beobachten.

Wissenschaftlicher Diskurs

Abseits der derzeit bekanntesten Virologen wie Drosten und Kekulé schaute die öffentlich-rechtliche Presse lange Zeit recht wenig auf alternative Meinungen und Lösungsansätze. Zeitweise hatte ich den Eindruck: Alle Ärzte und Experten, die eine etwas andere Meinung vertraten und denen der Shutdown etwas zu weit geht, werden kategorisch abgelehnt. In meinem Bekanntenkreis, dem ich vertraue, empfand ich das ähnlich. Mein Gedanke ist nach wie vor folgender: „Bei solch drastischen Maßnahmen mit unabsehbaren bis unangenehmen Folgen für die gesamte Wirtschaft und damit für viele Menschen muss ich als mündiger Bürger ja wohl wenigstens über alternative Modelle nachdenken dürfen! Außerdem: Nur wenn wir auch alle „sogenannten und teils selbsternannten Fachxperten“ anhören, können wir sie im Zweifelsfall richtig schön widerlegen. Der bekannte Talkmaster Markus Lanz schien mich gehört zu haben und trug in seinen Sendungen zu mehr Vielfalt bei. Er lud etwa Klaus Püschel ein, Hendrik Streeck gleich mehrfach. Püschel ist Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE). Er und sein Team obduzieren seit Beginn der Pandemie die Menschen, die in Hamburg im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind. Zum Zeitpunkt der Lanz-Sendung hatten laut Püschel alle Verstorbenen mindestens eine Vorerkrankung gehabt. Das unterstreicht, dass vor allem Vorerkrankte und Risikopatienten von Corona betroffen sind, heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass jüngere, fitte Menschen per se verschont bleiben.

Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Uni Bonn, machte in den letzten Wochen als wichtiger Experte des Sars-CoV-2-Virus von sich reden. Nach Meinung des Wissenschaftlers wäre es wahrscheinlich besser gewesen, abzuwarten, was die kurz zuvor angeordneten Maßnahmen, wie z.B. Hygieneregeln und die Absage von Großveranstaltungen bringen. Ihm zufolge sei es entscheidend, dem „Virus Zeit zu lassen, um Ergebnisse langfristig zu sehen“. Streecks sogenannte „Heinsbergstudie“ schien seine Einschätzung in den Zwischenergebnissen zu bestätigen, zumal er für den untersuchten Bereich zu einer wesentlich niedrigeren Sterblichkeitsrate kam, als das Robert-Koch-Institut (RKI) für ganz Deutschland prognostizierte. Die Studie löste heftige Kontroversen aus, beispielsweise inwieweit diese Ergebnisse auf andere Gebiete übertragbar seien. Auch Streeck selbst betonte inzwischen mehrfach, dass es immer auch auf die Art der Testung ankommt und man den weiteren Verlauf der Pandemie nicht seriös vorhersagen könne.

Die Grenzen der Wissenschaft

Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist und Moderator der bekannten ZDF-Sendung Terra X, bringt es auf den Punkt: Es sei gut, wenn die Wissenschaft streitet, dann würden verschiedene Denkansätze und Forschungen geteilt werden. Die absolute Wahrheit könnten auch wir von der Wissenschaft nicht erwarten und sie könne nur Hinweise an die Politik geben. Diese umzusetzen sei nicht immer so ganz einfach, vor allem könne man es nie allen recht machen.

Gerade weil Wissenschaft nie endgültig ist, das Corona-Virus Sars-CoV-2 noch lange nicht vollständig erforscht ist und es möglicherweise noch zu einer zweiten Welle unbekannten Ausmaßes kommt, kann ich es einfach nicht mehr ertragen, wenn Ärzte, die es eigentlich besser wissen müssten, in Facebook und YouTube auftreten und immer noch hartnäckig behaupten: Es gab schon immer Corona-Viren und Covid-19 ist auch nicht schlimmer als die Grippe! Dazu möchte ich nur noch 3 Dinge sagen: 1. Es handelt sich hier um einen völlig neuen Corona-Virus, der bis dato noch nicht bekannt war und erst noch vollständig erforscht werden muss. 2. ist der weitere Verlauf der Pandemie noch nicht komplett absehbar und 3. Der Vergleich mit den geschätzt 25.000 Verstorbenen bei der Grippewelle 2017/18 muss richtig eingeordnet werden-sonst ist er nicht aussagekräftig. Niemand kann derzeit endgültig sagen, wie sich die Zahl der Infizierten und die Sterberate bei der Corona-Pandemie entwickeln werden. Deshalb ist es sowohl unseriös, als auch unverantwortlich, die Zahl der Todesopfer zu einem frühen Zeitpunkt einer Pandemie zu nehmen, mit einer geschätzten Zahl von Verstorbenen einer außergewöhnlich schweren und Monate dauernden Grippewelle zu vergleichen! Siehe dazu auch den ARD-Faktencheck.

Das Problem aus meiner Sicht ist, dass viele Menschen Halbwahrheiten aus bestimmten „Fakten“ kreieren und dann alles zusammen in einen Topf werfen, ohne den Sachverhalt bzw. die wissenschaftliche Erkenntnis richtig einzuordnen. Dann ist ganz schnell die Rede von „die Politik verarscht uns“, sie „zensiert die öffentlich-rechtliche Presse“ und diese wiederum „verbreitet fakenews“. Davon kann keine Rede sein und genau diese Menschen verbreiten selbst rücksichtslos ihre eigenen fakenews.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Eine abwechslungsreiche Berichterstattung, die ausreichend nach rechts und links schaut, ist für mich als sorgfältig recherchierender Journalist unabdingbar!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Ich kann über alle politischen Maßnahmen diskutieren und was man in der Krise hätte alles besser machen können, aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und dann in einen großen Topf schmeißen.

Kolumne – Corona ist überall

Die ersten Lockerungen nach dem Shutdown sind nun eine Woche Realität! Ein erstes Aufatmen darf sein. Der Weg in die Normalität wird uns allerdings noch einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangen. Das Thema Corona bleibt omnipräsent – auch zu meinem Leidwesen. Es ist klar, ja unumgänglich, dass eine weltweite Pandemie solchen Ausmaßes einen großen Raum in der medialen Berichterstattung einnimmt. Und ja, wir mussten uns diesem „Gefahrenthema“ stellen und die Regierung musste Maßnahmen dagegen ergreifen – auch in meinem Interesse als der Risikogruppe zugehöriger E-Rollstuhlfahrer mit Beatmung.

Aber war und ist denn da wirklich kein Platz mehr für andere Themen??Corona, corona, ich kann es nicht mehr hören! Es gibt nach wie vor tausende Menschen, die momentan mit anderen schwerwiegenden Erkrankungen auf deutschen Intensivstationen liegen, in vielen Teilen der Welt geschehen pro Minute schreiende Ungerechtigkeiten und laut Unicef-Bericht der Vereinten Nationen sterben jeden Tag Tausende von Kindern. Das wird in der ganzen Diskussion einfach unterschlagen – Hauptsache Corona wird vollumfänglich durchgenommen. Hinzu kommt, dass aus meiner Sicht bei der allgemeinen und medial-politischen Debatte um Corona diverse Problematiken bestehen.

Die Schwierigkeiten bei der Debatte um Corona

1) Die Zahlen:

Was mir seitens der Regierung etwas fehlte, war eine gute und sachliche Aufklärung, die nicht vorwiegend auf abstrakte Zahlen baut. Exponentiell in die Höhe schnellende Zahlen von Neuinfektionen und der ständige Verweis auf die im Vergleich zur Grippe viel höhere Todesrate schürten nicht nur bei Risikopatienten und ihrem Umfeld große Ängste und Panik. Bilder von überfüllten Krankenhausfluren aus Spanien und Italien taten ihr übriges dazu. Hamsterkäufe wurden zur Normalität. Natürlich können sich Menschen, die einen gesunden Menschenverstand haben und über einen gewissen Intellekt verfügen, dementsprechend informieren, um Zahlen und Bilder richtig einzuordnen. Aber das können leider nicht alle – teils unverschuldet, teils selbstverschuldet. Im Kern ging und geht es einfach nur darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sprich für den Notfall genügend Intensivbetten zur Verfügung zu haben.

Folgendes sollten wir beim Blick auf die Zahlen beachten: Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf Tests mit nachgewiesenen Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Tests auf Antikörper, um die Immunität in der Bevölkerung zu klären, sollen diese Frage in den kommenden Monaten klären. Auch die Frage, wie viele Infizierte tatsächlich bislang gestorben sind, lässt sich kaum beantworten. Denn in den meisten Bundesländern werden bei Verstorbenen nur selten nachträgliche Tests auf Corona vorgenommen. In die Statistik fließen also hauptsächlich Fälle ein, bei denen eine Corona-Infektion bereits vor dem Tod bekannt war.

Außerdem ist oft unklar, ob die Menschen mit oder wirklich an Corona sterben. Laut einigen Palliativmedizinern ist auch zu bedenken, dass es sich bei den schwer erkrankten COVID-19-Betroffenen oft um hochaltrige, vielfach erkrankte Menschen handelt. Mindestens 1/3 von den hochaltrigen Menschen kommen schwerstpflegebedürftig aus Pflegeheimen; also eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin. Zum Teil werden jetzt aus diesen Patienten Intensivpatienten gemacht – aus Sicht der Experten ein Fehler. Viele Patienten erhalten so gegen ihren Willen lebensverlängernde Maßnahmen und müssen unnötig leiden, weil zu viele von ihnen keine Patientenverfügung haben. Deshalb ist es wichtig, sich intensiv mit dem Umfeld dieser Patientengruppe auszutauschen und sorgfältig zu überlegen, was für die Patienten am besten ist.

Positive Überraschung : tatkräftiges Regierungshandeln

Sehr positiv fand ich das klare und tatkräftige Handeln der Regierung Merkel, die genau zum richtigen Zeitpunkt den alles andere als beliebten Shutdown ansetzten und so das Virus auf ein „gesundes“ Maß eindämmen konnten. Man mag die Fernsehansprache und den Ausruf der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg als unnötige Inszenierung abtun. Aber letztendlich hat dies einige Menschen erst richtig aufgerüttelt -ich zähle mich selbst auch dazu. Die disziplinierte Einhaltung der Regelungen von weiten Teilen der Bevölkerung kommt nicht von ungefähr.

Bei einigen unserer Mitbürger führte die Ansprache zu Panik, was aber völlig unangebracht war. Angst trägt bestimmt nicht dazu bei, möglichst nicht krank zu werden. Natürlich ist das Virus sehr leicht ansteckend und es gibt keinen Impfstoff, aber es verläuft bei den wenigsten Menschen ohne Vorerkrankung und unter 60 Jahren kritisch. Es geht vor allem darum, die sogenannten „Risikopatienten“ angemessen zu schützen. Sich zu Hause verbarrikadieren in der Wohnung ist keine gute Option. Ich persönlich empfehle Euch: Geht in die Natur, macht kleine Ausflüge zu zweit oder mit der Familie – seid vorsichtig mit Rücksicht auf eure Mitmenschen, aber lasst euch bitte nicht von der allgemeinen Panik anstecken. Was ich noch sehr hilfreich finde: Sich nicht nur an die Schulmedizin zu halten, die bei einer Pandemie fraglos eine äußerst wichtige Rolle einnimmt. Allerdings gibt es auch noch alternative und zusätzlich sehr wirksame Faktoren, die vor Corona schützen: Mentale Gesundheit und positive Lebenseinstellung, gute Ernährung und sportliche Betätigung – also alles was dem Immunsystem gut tut.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Gerade die Menschen, die vor Corona eigentlich am wenigsten Angst haben müssten, schieben die größte Panik!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Wir als Risikogruppe brauchen auch in Corona-Zeiten kein unnötiges Mitleid und können auf Aussagen wie „Bleib tapfer!“ getrost verzichten. Wir brauchen jetzt Mitmenschen, welche die allgemein gültigen Vorsichtsmaßnahmen mittragen.

Meine Ausflüge in der Corona-Zeit:

Ausflug ins Montserrat

Aber nicht nur die Stadt Barcelona an sich, sondern auch das Hinterland haben einen großen Reiz. So folgten wir dem Vorschlag meines Kumpels, der eine Woche mit mir in Barcelona verbrachte, und machten einen Ausflug in das 45 km entfernte

Sandsteingebirge Montserrat: Wir müssen eine ganze Weile suchen und fragen, bevor uns eine kompetente Bahnmitarbeiterin endlich den entscheidenden Hinweis für den richtigen Zug gibt. Wir sind erst mal erleichtert, wobei die 30-minütige Zugfahrt meine Geduld ebenfalls etwas strapaziert. Dafür entschädigt mich die tolle Fahrt mit der Zahnradbahn steil hinauf bis zum Kloster Montserrat, welches spektakulär in die Felsen integriert ist. Der Ausblick hinunter auf das Hinterland und den weitläufigen Naturpark ist genial und löst bei mir das Gefühl aus, im Hochgebirge zu sein. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit, die schöne Klosterkirche anzuschauen. Einziger Wermutstropfen sind die etwas zu vielen Touristen rund um die Klosteranlage, aber wer will es den Menschen verdenken.

Fotos: David Schäfer und privat

Buchtipp – „Mein Papa fährt Rollstuhl“

Es ist der Klassiker schlechthin: kleine Kinder stehen staunend vor meinem großen Hightech-Rollstuhl und werden von ihren Eltern schnell weggezogen: Bitte bloß nicht hinschauen, das ist nichts für dich! Ich finde es vielmehr toll und auch wichtig, wenn Eltern den Kindern erklären möchten, was es damit auf sich hat. Das ist ein Stück Inklusion, vor allem wenn Eltern ganz offen fragen, ob das für mich o. k. ist.

Es besteht heutzutage weniger Scheu, Menschen mit Schwerbehinderung anzusprechen. Aber ein Großteil der Gesellschaft versteht nach wie vor nicht, dass auch Menschen mit schwerer Einschränkung ein Bedürfnis nach Sexualität oder den Wunsch nach einer festen Partnerschaft und Familie haben. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn Eltern mit Behinderung staunend angeschaut werden. Hier bietet das schöne Kinderbuch „Mein Papa fährt Rollstuhl“ einen interessanten und offenen Einblick, was es bedeutet, einen Vater im Rollstuhl zu haben. Verlegerin Doris Hesseler, Mutter eines schwermehrfachbehinderten Sohnes, vertreibt seit mehr als 10 Jahren Kinderbücher mit Inklusions-Hintergrund.

Foreigner at its best

Vor zwei Wochen war Mosbach! Foreigner! Echt herausragend, die Altrocker um Mick Jones haben alles gegeben und eine tolle Show abgezogen! http://www.youtube.com/watch?v=qzZB7eeXA8k. Auch bei mir waren die Vorzeichen für ein tolles Konzert an einem lauen Sommerabend gegeben. Aber der Reihe nach: Es war nicht ganz unkompliziert, die Fahrt nach Mosbach zu organisieren. Ich bekomme wie schon einmal erwähnt, jeden Monat eine bestimmte Anzahl von Kulturfahrten bezahlt. Um die ganze Geschichte abzukürzen an dieser Stelle nur mal soviel: Ich habe mir so viele Kulturfahrten zusammengespart, dass ich mit dem Taxi zumindest vom Konzert zurückfahren konnte.

IMG_0421Die Hinfahrt wickle ich also mit den öffentlichen Verkehrsmittel ab. Etwas kompliziert, aber letztlich klappt alles sehr gut. Erstmals nutze ich die rollstuhlgerechte Toilette der Deutschen Bahn. Ich komme zwar gut hinein, aber bei dem Versuch, aus dem WC rauszufahren, bestätigen sich meine Befürchtungen. Ich verschätze mich um wenige Millimeter und bleibe am Türrahmen hängen, rückwärts zu fahren war eben noch nie meine große Stärke! Etwas  kleinlaut überlasse ich es meiner Helferin, mich hinauszufahren. Auch sie scheitert, wobei ich sie von jeder Schuld freispreche, weil es wirklich nicht ganz einfach ist. Also versuche ich, im WC zu drehen und siehe da es klappt! Hätte ich nur gleich auf meine Helferin gehört, manchmal haben die Assistenten halt doch recht 🙂

IMG_0394In Mosbach angekommen, müssen wir uns erst mal orientieren und schlagen dann den kürzesten Weg Richtung Elzpark ein. Irgendwann stoßen wir auf weitere Konzertgänger. Um zum Eingang zu gelangen, müssen wir erst mal um den Park herumfahren. Und bekommen schon einen guten Vorgeschmack, was uns erwartet: Es wir immer lauter und mir haut es fast die Ohren weg. Kurz vor dem Eingang bekommen wir noch etwas Vorprogramm geboten und werden Zeuge wie ein alter Mercedes-Fahrer rückwärts punktgenau das Schild einer Verkehrsinsel umrammt. Ein ziemlich verwirrter Mann steigt aus, um dann aber schnell weiterzufahren. Eine Frau empört sich wegen Fahrerflucht und notiert die Nummer. Na ja, wenn sie meint, ich habe jetzt jedenfalls Besseres zu tun! Auf dem Konzertgelände atme ich beruhigt durch: So laut wie es draußen erschien, ist es auf dem Gelände nicht. Die Verständigung mit meiner Helferin ist trotzdem sehr eingeschränkt. Ich muss die Songpausen abwarten, um etwas loszuwerden.

IMG_0422Ansonsten ist alles perfekt, die Rollstuhltribühne ist sehr großzügig mit einem super Überblick; nebenbei kann ich mich amüsieren, wie das fast ausschließlich 20 Jahre ältere Volk um mich herum abgeht 🙂 Neben mir ist eine Rollstuhlfahrerin kaum zu bremsen und bewegt sich wie wild im Takt. Meine Stimmung wird von Lied zu Lied besser, die Altrocker sind einfach klasse! Der spaßige Abend wird nur einmal von einer Wespe gestört, die – gerade als meine Helferin etwas zu trinken holt – nichts Besseres zu tun hat, als auf meiner Nasenmaske zu landen. Sie krabbelt langsam Richtung meines Gesichts und ich bekomme leichte Panik. Wie ein Irrer kreisle ich herum, um das Vieh loszuwerden. Zwei Ehepartner vor meiner Tribüne grinsen über das ganze Gesicht, weil sie denken, ich würde vor Spaß abdancen. Zum Glück kommt meine Helferin im nächsten Augenblick, ich habe die Attacke überlebt. Jetzt kann es mit Volldampf weitergehen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Rollstuhlfahrer können nichts falsch machen, wenn sie ein Konzert besuchen.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Lasse niemals hilflose Rollstuhlfahrer bei einem Konzert alleine.

Willkommen bei meinem Blog

„Marcel gibt Gas“ ist ein Alltagsknigge für den Umgang mit E-Rollstuhlfahrern bzw. E-Rollstuhlfahrerinnen und ein Ratgeber für E-Rollstuhlfahrer, wie sie sich gegenüber ihrer Umwelt verhalten sollten. Titelbild im Original

Der „Blogspot“ bringt das Leben eines E-Rollstuhlfahrers mit etwas Witz anschaulich rüber.

 

Neuer Beitrag im Themenbereich Freizeit:

Turnfest in der Rhein-Neckar-Region – Faszination Kunstturnen

Als alter Sportfanatiker, für den Fußball-Bundesliga Pflicht ist und sportliche Großereignisse wie Weltmeisterschaften und Olympische-Spiele ein absolutes Highlight darstellen, bin ich natürlich dabei, wenn das internationale Turnfest direkt vor meiner Haustür stattfindet. Ich interessiere mich auch für sogenannte Randsportarten, kann dafür aber kaum jemanden von meinem Freundeskreis begeistern. Mehr…

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Der Messe-DreiteilerTeile 1, 2 und 3: Die momentane Job-Situation, Messebesuch in Stuttgart und Karlsruhe – Der Vergleich und Fachlicher Überblick – Was gibt es Neues?

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