Kolumne – Corona ist überall

Die ersten Lockerungen nach dem Shutdown sind nun eine Woche Realität! Ein erstes Aufatmen darf sein. Der Weg in die Normalität wird uns allerdings noch einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangen. Das Thema Corona bleibt omnipräsent – auch zu meinem Leidwesen. Es ist klar, ja unumgänglich, dass eine weltweite Pandemie solchen Ausmaßes einen großen Raum in der medialen Berichterstattung einnimmt. Und ja, wir mussten uns diesem „Gefahrenthema“ stellen und die Regierung musste Maßnahmen dagegen ergreifen – auch in meinem Interesse als der Risikogruppe zugehöriger E-Rollstuhlfahrer mit Beatmung.

Aber war und ist denn da wirklich kein Platz mehr für andere Themen??Corona, corona, ich kann es nicht mehr hören! Es gibt nach wie vor tausende Menschen, die momentan mit anderen schwerwiegenden Erkrankungen auf deutschen Intensivstationen liegen, in vielen Teilen der Welt geschehen pro Minute schreiende Ungerechtigkeiten und laut Unicef-Bericht der Vereinten Nationen sterben jeden Tag Tausende von Kindern. Das wird in der ganzen Diskussion einfach unterschlagen – Hauptsache Corona wird vollumfänglich durchgenommen. Hinzu kommt, dass aus meiner Sicht bei der allgemeinen und medial-politischen Debatte um Corona diverse Problematiken bestehen.

Die Schwierigkeiten bei der Debatte um Corona

1) Die Zahlen:

Was mir seitens der Regierung etwas fehlte, war eine gute und sachliche Aufklärung, die nicht vorwiegend auf abstrakte Zahlen baut. Exponentiell in die Höhe schnellende Zahlen von Neuinfektionen und der ständige Verweis auf die im Vergleich zur Grippe viel höhere Todesrate schürten nicht nur bei Risikopatienten und ihrem Umfeld große Ängste und Panik. Bilder von überfüllten Krankenhausfluren aus Spanien und Italien taten ihr übriges dazu. Hamsterkäufe wurden zur Normalität. Natürlich können sich Menschen, die einen gesunden Menschenverstand haben und über einen gewissen Intellekt verfügen, dementsprechend informieren, um Zahlen und Bilder richtig einzuordnen. Aber das können leider nicht alle – teils unverschuldet, teils selbstverschuldet. Im Kern ging und geht es einfach nur darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sprich für den Notfall genügend Intensivbetten zur Verfügung zu haben.

Folgendes sollten wir beim Blick auf die Zahlen beachten: Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf Tests mit nachgewiesenen Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Tests auf Antikörper, um die Immunität in der Bevölkerung zu klären, sollen diese Frage in den kommenden Monaten klären. Auch die Frage, wie viele Infizierte tatsächlich bislang gestorben sind, lässt sich kaum beantworten. Denn in den meisten Bundesländern werden bei Verstorbenen nur selten nachträgliche Tests auf Corona vorgenommen. In die Statistik fließen also hauptsächlich Fälle ein, bei denen eine Corona-Infektion bereits vor dem Tod bekannt war.

Außerdem ist oft unklar, ob die Menschen mit oder wirklich an Corona sterben. Laut einigen Palliativmedizinern ist auch zu bedenken, dass es sich bei den schwer erkrankten COVID-19-Betroffenen oft um hochaltrige, vielfach erkrankte Menschen handelt. Mindestens 1/3 von den hochaltrigen Menschen kommen schwerstpflegebedürftig aus Pflegeheimen; also eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin. Zum Teil werden jetzt aus diesen Patienten Intensivpatienten gemacht – aus Sicht der Experten ein Fehler. Viele Patienten erhalten so gegen ihren Willen lebensverlängernde Maßnahmen und müssen unnötig leiden, weil zu viele von ihnen keine Patientenverfügung haben. Deshalb ist es wichtig, sich intensiv mit dem Umfeld dieser Patientengruppe auszutauschen und sorgfältig zu überlegen, was für die Patienten am besten ist.

Positive Überraschung : tatkräftiges Regierungshandeln

Sehr positiv fand ich das klare und tatkräftige Handeln der Regierung Merkel, die genau zum richtigen Zeitpunkt den alles andere als beliebten Shutdown ansetzten und so das Virus auf ein „gesundes“ Maß eindämmen konnten. Man mag die Fernsehansprache und den Ausruf der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg als unnötige Inszenierung abtun. Aber letztendlich hat dies einige Menschen erst richtig aufgerüttelt -ich zähle mich selbst auch dazu. Die disziplinierte Einhaltung der Regelungen von weiten Teilen der Bevölkerung kommt nicht von ungefähr.

Bei einigen unserer Mitbürger führte die Ansprache zu Panik, was aber völlig unangebracht war. Angst trägt bestimmt nicht dazu bei, möglichst nicht krank zu werden. Natürlich ist das Virus sehr leicht ansteckend und es gibt keinen Impfstoff, aber es verläuft bei den wenigsten Menschen ohne Vorerkrankung und unter 60 Jahren kritisch. Es geht vor allem darum, die sogenannten „Risikopatienten“ angemessen zu schützen. Sich zu Hause verbarrikadieren in der Wohnung ist keine gute Option. Ich persönlich empfehle Euch: Geht in die Natur, macht kleine Ausflüge zu zweit oder mit der Familie – seid vorsichtig mit Rücksicht auf eure Mitmenschen, aber lasst euch bitte nicht von der allgemeinen Panik anstecken. Was ich noch sehr hilfreich finde: Sich nicht nur an die Schulmedizin zu halten, die bei einer Pandemie fraglos eine äußerst wichtige Rolle einnimmt. Allerdings gibt es auch noch alternative und zusätzlich sehr wirksame Faktoren, die vor Corona schützen: Mentale Gesundheit und positive Lebenseinstellung, gute Ernährung und sportliche Betätigung – also alles was dem Immunsystem gut tut.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Gerade die Menschen, die vor Corona eigentlich am wenigsten Angst haben müssten, schieben die größte Panik!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Wir als Risikogruppe brauchen auch in Corona-Zeiten kein unnötiges Mitleid und können auf Aussagen wie „Bleib tapfer!“ getrost verzichten. Wir brauchen jetzt Mitmenschen, welche die allgemein gültigen Vorsichtsmaßnahmen mittragen.

Meine Ausflüge in der Corona-Zeit: