Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?

Gehen wir es also an, das neue Jahr 2021! Ich freue mich jedenfalls darauf, wieder neue Projekte anzugehen und auf die eine oder andere Reise zu hoffen. Da mein Bus für die kommende Reisesaison mit einer Liege-Möglichkeit aufwartet, laufen die Gedankenspiele schon auf Hochtouren. Gerne möchte ich euch mit einem kurzen Rückblick auf die vergangene Reise im Sommer Appetit auf die diesjährige Reise- bzw. Freiluftzeit machen.

Zuvor muss ich mich leider nochmals kurz mit dem immer noch alles bestimmenden Dauerbrenners C….. beschäftigen. Es geht um die Priorisierung bei den anlaufenden Impfungen. Es ist ganz bestimmt eine große logistische Herausforderung und viele Bevölkerungsgruppen wollen die Ersten sein. Das ist ein kaum zu lösendes Dilemma für die Politik. Und zuallererst sollten wir einfach froh sein, dass es überhaupt einen Impfstoff gibt. In diesen Tagen gilt es daher wieder einmal, Egoismen hinten an zu stellen – so wie fast das ganze vergangene letzte Jahr.

Die Kunst der Impf-Priorisierung

Dennoch gewinne ich den Eindruck, dass die die außerklinische Beatmung in der Politik gar nicht existiert. Wohingegen immerhin das Personal in der ambulanten Pflege, also auch meine Assistenz, zum Zuge kommt, schauen wir Betroffenen/Beatmeten zunächst in die Röhre. Bei einem Rest Lungenvolumen von weniger als 8 Prozent bin ich was meine Person angeht doch etwas verwundert. Als „Hochrisiko-Patient“ wie er im Buche steht darf ich jetzt noch mal eine Ehrenrunde drehen.

Längst hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG Selbsthilfe) eine Überarbeitung der geplanten Impfstrategie gegen den COVID-19 Virus gefordert. Die Organisation kritisierte, dass Menschen mit schweren Vorerkrankungen erst in dritter Linie geimpft werden sollen und forderte, Menschen mit Vorerkrankungen bei der Impfkampagne höher zu priorisieren.

Außerklinische Beatmung, was ist das?

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert eine neue kleinteiligere Impfverordnung, die eine genauere Reihenfolge der zu Impfenden festlegt. Dies sei notwendig, um die logistischen Herausforderungen des Impfstoffes durch seine begrenzte Verfügbarkeit bewältigen zu können. Der größte Teil der Pflegebedürftigen lebe allerdings zu Hause mit ähnlichem Risiko. Deshalb sind Impf-Angebote laut der Stiftung zunächst für Pflegebedürftige zu Hause und im Heim vorzuhalten. Anschließend sind demzufolge die über Achtzigjährigen und die Altenpflegekräfte dran.

In erster Linie geht es gar nicht so sehr darum, ob jetzt über 80-jährige oder pflegebedürftige Menschen als erstes geimpft werden. Aber ich finde es einfach richtig schwach und aus Inklusionssicht ein Armutszeugnis, dass außerklinisch beatmete Menschen einfach gar nicht vorkommen. Jeder Mensch möchte ein selbstbestimmtes Leben führen genauso wie Menschen, die ständig auf Assistenz angewiesen sind. Seit März bin ich einem erhöhten Risiko ausgesetzt, das ist vor allem psychisch anstrengend und zerrt an den Nerven. Zumal nicht jeder AssistentIn jubelnd durch die Wohnung läuft, wenn er bei körpernahen Tätigkeiten eine Maske aufziehen soll. Impfen lassen möchte sich nur der eine Teil meines Assistenzteams, wofür ich absolut Respekt habe. Umso wichtiger wäre es jetzt, dass die Politik alle pflegebedürftigen Menschen durch eine zeitnahe Impfung entlastet. Oder zumindest, dass signalisiert wird: „Hallo liebe beatmete Mitbürger, wir haben euch auf dem Schirm, ihr seid uns wichtig.“

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Unsere Politiker können es in diesen Tagen nicht allen Bürgern recht machen, aber ein bisschen Differenzierung und Fingerspitzengefühl erwarte ich in jedem

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Eine (Impf-)Strategie muss auch mal angepasst werden.

Ein Gedanke zu „Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?

  1. Lieber Marcel,
    ich und mein Sohn, auch beatmet, wohnen auch in Heidelberg. Aufgrund der Einzellfallentscheidung hat Peters Hausarzt ein Attest ausgestellt – sogar noch bevor er meine Bitte darum gelesen hatte – und Peter erhielt gestern die erste Impfung in Mannheim. Zwar keine Lösung für alle beatmeten Patienten, aber immerhin ein Anfang.
    Liebe Grüße

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