Reisesommer, wir kommen!!

Eine gefühlte Ewigkeit ist der Himmel über Deutschland nun schon grau, hinzu kommen Horrormeldungen vom mutierten Coronavirus aus England und der Impfstoff ist ein überaus rares Gut – kein Wunder, wenn man da Depressionen bekommt. Aber genug davon! Zum Glück ist der Frühling nicht mehr ferne und die Hoffnung auf Reisen im Sommer ist längst nicht tot.

Wenn ich auf letztes Jahr zurückblicke, war der Sommer sehr angenehm und meiner kleinen Deutschland-Tour nach Dresden und Berlin stand nichts im Wege. Dresden – schon lange stand die schöne Stadt an der Elbe mit ihrer wunderschönen Altstadt auf meiner Reise-Agenda. Unweit von den berühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Zwinger, der Frauenkirche und der Semperoper hatte ich für mich und meinen Vater ein barrierefreies Doppelzimmer im gediegenen Hotel Martha gebucht. Kann ich nur jedem/r E-Rollstuhl-FahrerIn empfehlen, sofern er/sie kein Pflegebett benötigt. Vor allem der Service beim Frühstück auf der Terrasse und der einzigartige sächsische Dialekt waren ein Genuss. Zumal wir eine der wenigen Gäste waren und somit das Hotel und die Frühstücksterrasse gefühlt für uns alleine hatten – irgendein Vorteil muss Corona ja bieten.

Dresdens Altstadt ist einfach einmalig

Ich mache einen Blick ins Reisetagebuch: Nach einer sehr erholsamen ersten Nacht geht es aus dem Hotel raus, die Straße hoch und schon steht uns der schöne Albertplatz mit Kirche und zahlreichen Restaurants offen. Weiter, die Albertstraße hinunter, die mit weiteren einladenden Einkehrmöglichkeiten aufwartet bis zur Elb-Brücke. Von dort aus blicken wir gebannt auf die beeindruckende Dresdner „Skyline“ mit ihren nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Sehenswürdigkeiten. Nach einer kurzen Besprechung gehts weiter mitten hinein ins Vergnügen. Der omnipräsente Friedrich August I., genannt „August der Schtoorke“, der die Stadt wie kein Zweiter prägte, ist kaum zu übersehen. Unter ihm errang Dresden durch den Dresdner Barock und den opulenten Hoffesten des Dresdner Hofes die kulturelle Bedeutung, die es bis heute hat.

Dann stehen wir auf einmal vor der riesigen Frauenkirche. Dank Corona darf ich mit meinen Begleitern als Erstes rein, bevor ein paar Minuten später alle anderen Besucher hereinkommen. Imposant, der Blick durchs Rund und an die Decke. Unweit der Frauenkirche lassen wir es uns danach im Eiscafé gut gehen. Danach gehts weiter übers Kopfsteinpflaster, das durch die gute Federung und die großen Reifen meines E-Rollstuhl erträglich ist. Wir fahren zum Zwinger und schließlich bis zur Semperoper. Dort gibt es leider momentan keine Konzerte, aber eine interessante Führung. Das freundliche Servicepersonal schickt uns über eine Rampe zu einem Seiteneingang.

Die Semperoper von Innen ist ein Muss

Die Führung übernimmt eine äußerst engagierte Mitarbeiterin, die sehr viel Rücksicht auf mich nimmt und immer wartet, bis ich in Position bin und freie Sicht habe. Einmal muss ich an einem kleinen Treppenübergang stehen bleiben und von dort aus ihren Worten lauschen. Regelmäßig schaut sie zu mir hinunter und spricht auch in meine Richtung. Die Frau hat wirklich verstanden, was eine inklusive Führung ist.

Die sehr schöne und empfehlenswerte Schlösser-Schifffahrt ist ebenfalls mit E-Rollstuhl möglich – falls man das richtige Schiff wählt. Am letzten Abend genießen wir noch mal den Albertplatz mit köstlichen Tapas und leckerem Rotwein. Am nächsten Morgen packen wir schon wieder zusammen und auf gehts zum großen Garten, der „Grünen Lunge“ Dresdens. Dort treffe ich meine beiden Assistenten, die mich nach Berlin weiterbegleiten. Ich kann die riesige Grünanlage jedenfalls wärmstens für alle RollstuhlfahrerInnen empfehlen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Reisen während Corona ist keine Utopie-garantiert auch nicht in diesem Sommer.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Man kann Führungen von Sehenswürdigkeiten exklusiv oder inklusiv durchführen.