Teil 5: Spaß muss sein- Mit dem E-Rollstuhl auf den Sandstrand

Der Strand von Barcelona darf auf keinen Fall bei meiner Reise fehlen. Es ist ein würdiger Abschluss meines Aufenthalts. Nach dem Besuch im Meerwasser-Aquarium sind wir bereits am Hafen von Barcelona. Wir bestaunen einige Luxusyachten, vor allem diejenige mit Hubschrauberlandeplatz -verrückt wie viel Luxus Mensch braucht… Dann lege ich noch einige 100 m am Hafen zurück, irgendwann beginnt die Strandpromenade, an der zahlreiche Verkäufer Schmuck, Tücher und sonstige Kleinigkeiten an den Mann bzw. die Frau bringen wollen. Um schneller an den Sandstrand zu gelangen, nehmen wir eine Abkürzung durch ein kleines Stadtviertel, in dem man die Meeresluft regelrecht einatmen kann … Wenig später erblicken wir nur noch Sand und Meer. Über einen Weg aus Holzpaneelen gelange ich auf dem Strand näher ans Meer. Ich fahre weiter bis ans Ende des Weges und habe sofort nur noch einen Gedanken: Einmal möchte ich auf dem Sand mit meinem E-Rollstuhl ein paar Pirouetten drehen.

Mithilfe meiner Assistentin fahre ich ganz vorsichtig den Absatz von den Holzpaneelen herunter und stehe auf Sand. Mit ein bisschen Anschubhilfe nehme ich Schwung auf und die Fahrt geht los. Es funktioniert erstaunlich gut und am besten ist es, wenn ich nicht abstoppe. An einer Stelle, wo der Sand etwas weicher ist, fahre ich eine Kurve und mache ein bisschen langsamer-eine schlechte Kombination 🙂 ein Hinterrad meines Rollstuhls dreht durch. Aber mit vereinten Kräften schaffen es meine Assistentinnen, dass der Rollstuhl weiterfährt. Nach dem dritten Mal „Stecken Bleiben“ ist Schluss mit lustig!

Genug habe ich aber immer noch nicht und fahre weiter an der Strandpromenade entlang, die jetzt wie eine topfebene Rennbahn vor mir liegt. Ich reize es voll aus und mir wird witzigerweise genau jetzt das erste Mal bewusst, dass mein Rollstuhl viel schneller läuft wie gedacht – ich bin begeistert. Scheinbar hat es der Rollstuhlhersteller gut mit mir gemeint und die mögliche Höchstgeschwindigkeit des Motors nicht gedrosselt. Ein paar Meter weiter gelange ich dank einer breiten und nicht besonders steilen Rampe problemlos von der Promenade bis auf den Sandstrand hinunter. An dieser Stelle ist es bis direkt ans Meer geteert und ich genieße es in vollen Zügen. Kurz bevor wir den Heimweg in Angriff nehmen wollen, treffe ich einen netten E-Rollstuhlfahrer aus Belgien. Es stellt sich heraus, dass er dieselbe Erkrankung wie ich hat und um einiges jünger ist. Als wir uns verabschieden, erzählt er mir noch von seinem Stadionsbesuch beim FC Barcelona und ich bin ehrlich gesagt etwas neidisch. Schade, dass ichdieses Highlight verpasst habe. Allerdings bin ich noch ganz beschwingt von meiner Strand-Tour und freue mich auf meinen letzten Barcelona-Abend.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Mit dem richtigen E-Rollstuhl ist auch die Fahrt auf Sand möglich. Für Risiken und Nebenwirkungen übernehme ich keine Verantwortung.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Die Strandpromenade und der Strand von Barcelona sucht dringend Nachahmer 🙂

Fotos: David Schäfer und privat