MAIK 2014 – Beatmungskongress reloaded!

Als ich dieses Mal zum Kongress nach München fahre, nehme ich mir nicht vor, danach auf meinem Blog darüber zu berichten. Denn im Prinzip läuft ja alles gleich ab, nur der Inhalt meines Referats wird ein anderer sein. Und auch hier nichts Neues, ich habe es tatsächlich wieder geschafft, den Vortrag vorher nicht fertig zu bekommen… Sehr zum Leidwesen meiner Helferin, die mich zusammenfaltet, als mir in der Straßenbahn auffällt, dass ich meine kompletten Kongressunterlagen auf dem Schreibtisch vergessen habe! Sollte sich dann aber als problemlos erweisen 🙂 ach ja, mein Vortrag beschäftigt sich seit mit „Grenzen der Selbstbestimmung bei Beatmung“ in Kooperation mit meinem geschätzten und langjährigen Lungenarzt aus der Thoraxklinik Heidelberg Doktor Wiebel. Auf meinen Wunsch hin hat er sich bereit erklärt, mich in München vortragstechnisch zu begleiten. Der Vortragsblock gliedert sich in drei Teile. Die Grenzen der Selbstbestimmung bei Beatmung werden aus Sicht des Betroffenen, also von mir, aus Sicht des Arztes und eines Pflegers betrachtet.23102014154

Die Zugfahrt läuft reibungslos ab, auch die Fahrt mit der S-Bahn zum Hotel stellt kein Hindernis dar. Ich habe aus dem Fiasko von letztem Jahr gelernt (ich berichtete http://marcel-gibtgas.de/2014/02/07/maik-2013-klappe-die-erste-der-fluch-der-oeffentlichen-verkehrsmittel/). Im Hotelzimmer ist scheinbar alles wie gehabt, scheinbar… Bis wir zu unserem Schrecken feststellen, dass sich neben dem Bett keine Steckdose für mein Beatmungsgerät befindet sich. Also ab an die Rezeption: Verlängerungskabel eins ist viel zu kurz, die zweite Variante ist schon deutlich besser! Dennoch müssen wir ziemlich improvisieren, das Gerät muss aufs Bett und der Beatmungsschlauch nimmt fast die komplette Matratze für sich in Anspruch. Aber das war noch nicht alles: Zu meinem großen Entsetzen haben wir tatsächlich mein Infrarot-Schnittstelle für den Laptop vergessen… Das ist mein Zugang zur Außenwelt, dieses Teil ermöglicht es mir, den Laptop meiner Rollstuhlsteuerung zu bedienen! Das wird ein Spaß, so wohl für mich als auch meine Helferin. Sie darf jetzt alles machen, was ich in meinem Vortragsmanuskript verändern möchte. Immerhin ist sie fit am PC und macht sogar laufend Verbesserungsvorschläge 🙂 mit ein bisschen Humor und guten Willen kommen wir ganz gut voran.

23102014158Am nächsten Morgen komme ich tatsächlich pünktlich zum Eröffnungsreferat durch den super genialen Ex-Politiker Heiner Geißler. Schon weit über 80 und geistig noch kein bisschen müde! Auch von einer Grippe lässt er sich nicht aufhalten. Von den klaren Aussagen seiner Rede habe ich ja schon kurz auf meiner Facebook-Seite berichtet. Schon allein dieser Auftritt macht die Kongressteilnahme wieder zu einem Erlebnis. Danach wird der diesjährige Kongress-Award an eine Pionierin der Heimbeatmung, Dr. Angelika Bockelbrink, vergeben. Sie begann in den achtziger Jahren in der Münchner Einrichtung Stiftung Pfennigparade gegen alle möglichen Widerstände, Menschen mit Atemproblemen zum beatmen. Damals hielten die meisten Ärzte nichts von dieser Methode. Daher an dieser Stelle auch ein Hoch auf die vielen Betroffenen, die damals den Mut hatten, der Ärztin zu vertrauen. Das waren echte Pioniere, von denen ich und viele andere heute profitieren.

25102014159Mehr zufällig komme ich mit einem Pflegedienstleiter ins Gespräch, der mit seinem Dienst einige beatmete E-Rollstuhlfahrer versorgt. Wir unterhalten uns über die Leistungen der Beatmungspioniere, angelernte Assistenten und Selbstbestimmung. Beim Verabschieden lädt er mich noch ein, doch irgendwann mal in Koblenz vorbeizuschauen. Er möchte sich dann auf jeden Fall mit mir treffen und mir davor noch einige in seiner Tipps für. Das ist doch einer der wichtigsten Gründe, auf so einen Kongress zu fahren: Interessante Menschen zu treffen und sich auszutauschen, neue Sichtweisen und Impulse zu bekommen! Natürlich wäre es toll gewesen, wenn ich noch ein paar mehr Vorträge mitbekommen hätte, aber am wichtigsten ist halt erst einmal, dass der eigene Vortrag sitzt! Auf dem Hotelzimmer mache ich meine PowerPoint-Präsentation fertig, nur ein paar wenige Stichworte, das reicht völlig. Weniger ist schließlich mehr! So ein Vortrag lebt von den persönlichen Erfahrungen und prägnanten Beispielen und manchmal von einem selbstgedrehten Beispiel-Video. Dazu aber mehr im nächsten Blog-Eintrag!! 🙂

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Es gibt tatsächlich barrierefreie Hotelzimmer ohne Steckdose neben dem Bett…

Die E-Gebrauchsregel des Tages: In Sachen Pflege und Behinderung brauchen wir unbedingt wieder mehr Fachkompetenz der Politiker. Einer hat es schon vor vielen Jahren verstanden!