Öffentliche Verkehrsmittel

So gehört sich der öffentliche Nahverkehr!

Ich bin mal wieder unterwegs zu einer Sportveranstaltung in der SAP-Arena, aber dieses mal gibts eine Premiere: Ich bin bei einem Eishockey-Spiel live dabei, dem Länderspiel Deutschland gegen Schweiz. Zwar nur ein Vorbereitungsspiel zur WM, aber Hauptsache live vor Ort! Zu meiner Beruhigung erkenne ich den Puck viel leichter als erwartet. Eine Überraschung, denn normalerweise sieht man im Fernsehen alles besser. Neben mir sitzen zwei E-Rollstuhl-Fahrer und mir kommt eine Idee. Ich lasse meinen Helfer fragen, ob die beiden Rollstuhl-Fahrer eine Dauerkarte für die Spiele der Mannheimer Adler haben. Denn ohne Dauerkarte ist es fast unmöglich, an eine Karte für ein Bundesligaspiel zu kommen… Als die beiden bejahen, bekommen sie gleich eine Visitenkarte von mir, damit sie mir Bescheid geben, wenn sie mal ein Spiel auslassen. Ich würde sofort einspringen 🙂 Bisher bekam ich leider keine E-Mail 🙁
Das Spiel ist derweil richtig gut, Deutschland macht es richtig klasse! Aber leider ist dies nur ein Testspiel und bei der WM sieht die Realität ganz anders aus.

Aber zuerst einmal kosten wir das Spiel aus und lassen uns danach viel Zeit, da die S-Bahn erst relativ spät fährt. Ich habe gar keine Lust auf die viel zu lange Rückfahrt im Verhältnis der Nähe zu Heidelberg. Wir machen uns dann trotzdem frühzeitig auf den Weg und als wir aus der Arena hinausfahren traue ich meinen Augen kaum: Ich sehe plötzlich eine Straßenbahn mit dem fetten Schriftzug „Edingen“.

flyer_image-default-1Ich gebe meinem Helfer einen kurzen Hinweis und plötzlich sprintet er los, wie ich es ihm nie zugetraut hätte. Die einmalige Chance, völlig unkompliziert und schnell nach Hause zu gelangen, verleiht Flügel! Die Menschenmenge löst sich angesichts des Geschosses von Helfer und Mensch im Schieberollstuhl relativ schnell in Luft auf. Wir schaffen es noch problemlos in die Bahn und schnaufen erstmal zufrieden durch. An der Endhaltestelle „Edingen“ bekommen wir die Info, dass dieser Sonderzug nach jedem Eishockey-Spiel eingesetzt wird. Aha, gut zu wissen und bis zum nächsten Mal!

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Eishockey-Spiele lohnen sich in jeder Hinsicht!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Die RNV (Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft) ist lernfähig und weiß doch was Service heißt!

 

 

Ein perfekter Rollstuhlbus ist keine Selbstverständlichkeit

Grenzenlose Mobilität war früher ein Luxus-Gut, heute ist es fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Obwohl heute vieles Online möglich ist, ist für fast alle Menschen das Auto nicht mehr wegzudenken. So gut wie jeder Haushalt verfügt über mindestens einen fahrbaren Untersatz. Für Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten ist diese Mobilität besonders wichtig. Menschen wie ich wollen unterwegs sein, die Freizeit aktiv gestalten. Da ich leider kein eigenes Fahrzeug besitze, bin ich oft auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Dabei muss ich immer mal wieder gravierende Abstriche machen. Ich berichtete bereits… 🙂 Aber auch wenn ich gefahren bzw. abgeholt werde, kommt Einiges auf mich zu. Ich habe in meinem Leben schon viele Taxis, Taxi-Busse zum Hineinfahren und eine fast unüberschaubare Menge an Taxi-Fahrern kennengelernt. Und da wären auch noch die Fahrdienstleiter und Taxi-Chefs.
Wenn ich mit meinem Rollstuhl in einem Taxi-Bus sitze, ist das nicht immer ein Vergnügen: Schweißausbrüche gehören zum Standardprogramm. Für mich ist es eine ziemliche Zumutung, wenn das Fahrzeug bei Unebenheiten stark schaukelt, da ich dann im Rollstuhl verrutsche und meine Hand nicht mehr richtig an der Steuerung liegt. Da ist es mir viel lieber, wenn der Bus hart gefedert ist und dafür nicht so stark schwankt. Es gibt nur einen Bus, den ich sofort kaufen würde, da er weder hart gefedert ist, noch stark aufschaukelt: Der VW T5. Noch besser ist freilich das Vorgänger-Modell, am besten mit ganz vielen Kilometern und schön ausgeleierter Federung: Mein absolutes Lieblingsauto. Da mein Taxi-Unternehmen, das mich immer vom Internat nach Hause gefahren hat und zum Studium ein solches Fahrzeug besaß, kam ich öfter in den Genuss, in dieser sänftenähnlichen Kutsche fahren zu dürfen. Wenn ich dieses Auto vorfahren sah, war der Tag schon fast gerettet. Dann war es sogar fast egal, welcher Taxi-Fahrer auf dem Fahrersitz saß.

IMG_0167Da wären wir bei der nächsten wichtigen Komponente des Taxi-Bus-Fahrens: Der Fahrer. Erstens ist es toll, wenn er genau weiß, wie er meinen Rollstuhl fixieren muss und dabei nicht stundenlang braucht. Zweitens ist es wichtig, dass er bei Unebenheiten etwas vom Gas geht. Drittens ist es sehr angenehm, wenn er nicht schwerhörig ist und keine Knoblauchfahne hat. Mein Favorit ist jener Fahrer, der all diese Eigenschaften vereint und dabei noch Fußball-Sachverstand besitzt. Aber das führt jetzt etwas weit vom Thema ab. Sehr wichtig ist es auch, dass der Chef des Taxi-Unternehmens auf die Wünsche von mir beziehungsweise seines Kunden eingeht. Das fängt bei der Freundlichkeit an, geht über den Einsatz der Fahrer und hört bei der Flexibilität der Fahrzeiten auf. Mein absoluter Alptraum war H. Schäfer vom Roten Kreuz Heidelberg: Schon beim ersten Anruf war seine Unfreundlichkeit nicht zu überbieten: „Schäääfffer! Es ist Freitag 16:05 Uhr, sie können doch jetzt keine Fahrt mehr anmelden, das müssen Sie doch wissen!!!“ Das ist Service denke ich mir in diesem Moment und lege einigermaßen perplex wieder auf. Wenn man dann noch Fahrten absagt oder Uhrzeiten ändert, das Taxi aber trotzdem kommt und man dafür zusammengefaltet wird, hört es mit dem Spaß ganz schnell auf. Gott sei Dank bin ich mittlerweile umgezogen und fahre mit einem anderen Taxi-Unternehmen. Auch da ist nicht alles Gold was glänzt, aber ich werde zumindest nicht wie der größte Bittsteller behandelt, der um jede Fahrt kämpfen muss. Als das Taxi kürzlich über eine halbe Stunde zu spät kam und ich dadurch mein Bewerbungsgespräch verpasst habe, ist mir mal wieder klar geworden, wie abhängig wir ohne eigenes Auto sind. Da ist es doch eine feine Sache, wenn wir als Rolli- und E-Rolli-Fahrer die Möglichkeit haben, ein Auto zu kaufen, beantragen oder zusammen mit anderen benutzen zu können.

Paravan 2Bei umgebauten und angepassten Behindertenfahrzeugen bzw. Rolli-Bussen gibt es allerdings viele Details, die beachtet werden müssen. Klar finde ich es genial, dass mein Pflegedienst nun einen Rollibus hat, den ich kostengünstig benutzen kann. Und klar ist es auch logisch, dass er aus Kostengründen nicht alle Ausstattungsfeatures aufweisen kann. Allerdings – eine Klimaanlage hätte es schon sein dürfen, gerade für Menschen mit Mobilitätseinschränkung ein absolutes Muss! Noch viel mehr zu beachten gibt es, wenn ein Fahrzeug für den Rollibedarf umgerüstet werden soll. Auf diesem Gebiet hat sich unter anderem die Firma PARAVAN aus dem beschaulichen urschwäbischen Pfronstetten-Aichelau bei Albstadt einen tollen Ruf erarbeitet. Das Unternehmen wirbt mit komplettem Kompletter Rundum-Service, der jedes Detail auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden abstimmt. Zahlreiche Anerkennungen wie der Deutsche Unternehmerpreis sprechen eine deutliche Sprache. Die Verleihung nahm der Harvard Clubs of Germany der weltberühmten Eliteuniversität Harvard in Boston, USA, vor. Auch ich selbst konnte mich schon persönlich von der Qualitätsarbeit der Firma überzeugen, als ich mit dem umgerüsteten PARAVAN-Bus meines Kumpels eine Fahrt über schlechte Straßen in den Odenwald machte. Kürzlich bin ich auf eine coole Aktion des Autoumrüsters gestoßen. Beim Programm „Friends and Fans“ kann sich jeder Interessierte kostenlos registrieren und hat auch noch was davon. Wie geht das? – Ihr empfehlt einfach Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit passende Fahrzeugumbauten, mitdenkenden Autositze und E-Rollstühle usw. von PARAVAN. Vielleicht könnt ihr Menschen mit Handicap so einen entscheidenden Tipp geben, ihr profitiert nebenbei als Werber von lukrativen Gutschriften, die ihr mit Einkäufen bei der PARAVAN World verrechnen könnt. Wenn ihr genau wissen wollt, wie es im Detail funktioniert, schaut euch einfach folgendes Video an.

Letztlich ist es entscheidend, dass die individuellen und oft sehr unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigt werden und es einfach Spaß macht, zu fahren. Dazu gehört auch ein erträglicher und günstiger Einstieg über eine stabile Rampe, die breit genug und nicht zu steil ist. Am komfortabelsten und am wenigsten nervenaufreibend funktioniert das natürlich mit einer zugegebenermaßen recht luxuriösen elektrischen Rampe. Aber in der Regel bin ich schon überaus glücklich, wenn sich mein Rollstuhl gut befestigen lässt und ich keinem Sicherheitsrisiko ausgesetzt bin. Mir ist schon so manche Notlösung untergekommen, wie zwei Holzleisten im Bus, auf die ich drauffahren musste, um nicht mit dem Unterboden aufzusetzen. Bei der nächsten scharfen Kurve bin ich natürlich heruntergerutscht… Wenn die Fahrer dann am Ende der Fahrt noch gut gemeinte Ratschläge, wie ich am besten rückwärts aus dem Bus herausfahren soll, nervt das extrem. Denn ich weiß sehr wohl, dass ich geradeaus fahren muss, nur ist es nicht immer so einfach, dies mit meiner sensiblen Steuerung umzusetzen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Ein komfortabler Taxibus ist cool, ein individuell angepasstes Rollstuhl-Fahrzeug noch viel cooler.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Gut zuhören ist die halbe Miete!

 

Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Ich kann endlich mal wieder ins Stadion, da ich den Dauerkartenplatz meiner VFB-Freundin Bianca übernehmen darf. Ihr ist es im Winter einfach zu kalt. Mein Glück, ich muss mich nur fünflagig anziehen inklusive Heizweste und Fußsack. Dieses Mal schaffe ich es sogar rechtzeitig zum Anpfiff, da die DB ausnahmsweise mal pünktlich ist. Alles gut also und dann auch noch ein superspannendes Spiel mit positivem Ausgang.

Der schwierigste Teil steht uns jedoch noch bevor. Wir müssen so schnell wie möglich in der vollen S-Bahn mit lauter verrückten Fußball-Fans zum Hauptbahnhof kommen. Für die Strecke, die die S-Bahn normalerweise in drei Minuten schafft, benötigt die Bahn diesmal bestimmt 20 Minuten. In der Bahnhofshalle gibt mein Bekannter mit mir Vollgas, aber vergebens, der Zug ist weg. Uns bleibt keine andere Wahl, als die Bummelbahn zu nehmen. Die ist relativ  voll, aber es ist ok! Allerdings steigen immer mehr Menschen in unser Abteil… Als drei Betreuerinnen mit einer spanisch sprechenden Kindergruppe den Zug besteigen, wird’s endgültig kriminell. Es ist jetzt so eng, dass man sich fast nicht mehr drehen kann und kaum mehr Luft zum Atmen hat. Die Lage aus meinem kleinen Rollstuhl sieht recht bedrohlich aus, einmal bekomme ich fast einen Ellenbogen ins Gesicht…IMG_0725

Natürlich war das noch nicht das Ende der Fahnenstange, ein leicht angetrunkener Mann will um jeden Preis zusteigen, obwohl es einfach keine Möglichkeit mehr gibt. Aber es interessiert ihn nicht, es entsteht eine Diskussion, die immer emotionaler wird. Mein Begleiter wird’s irgendwann zu bunt und er macht dem Typ in äußerst gereiztem Ton unmissverständlich klar, dass er nicht mehr zusteigen darf. Als die Türen endlich zugehen, atmen alle Insassen erst mal kräftig durch. Aber es kommt noch besser: An den zwei folgenden Haltestellen wollen weitere Menschen zusteigen. Und wieder darf mein Bekannter völlig ineffektive Diskussionen führen. Die Botschaft: Es gibt einfach keinen Platz mehr, Punkt! Klar, die Leute sind genervt, dass sie nicht mehr in den Zug kommen. Aber da kann niemand was dafür außer die Deutsche Bahn. Es ist wirklich eine absolute Fehlplanung bzw. Frechheit, dass die DB an einem Samstag in der Vorweihnachtszeit nach einem VfB-Spiel nicht in der Lage ist, eine Regionalbahn mit genügend Wagen auszustatten.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Verlasse dich nie auf die Deutsche Bahn und die Rücksichtnahme von potentiellen Mitfahrern.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Etwas mehr gesunder Menschenverstand würde beim Bahnfahren nicht schaden.

 

Tatort Service-Point:

Ich bin ausnahmsweise einmal pünktlich am Hauptbahnhof, denn ich will ja das letzte Liga-Spiel der Saison vom VFB anschauen. Voller Vorfreude melde ich mich beim Service-Point an, damit mir die Bahn-Mitarbeiter beim Einstieg helfen. Schließlich bin ich ja ordnungsgemäß vorgemeldet. Plötzlich klingelt mein Handy und mein Kumpel berichtet mir, dass er wegen einer Zugverspätung den Anschlusszug verpasst hat. Na Prost Mahlzeit, den geplanten Zug bekommen wir so nie und die erste Halbzeit ist futsch. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es meistens Glück gebracht hat, wenn ich zu spät kam…
Die schwierigste Aufgabe steht mir aber noch bevor: Ich darf dem Service-Mensch erklären, dass ich ein Zug später fahren muss. Und prompt erklärt er mir mit höchst sorgenvoller Mine, dass dies natürlich ein sehr frommer Wunsch sei. Und samstags seien die Züge ja überfüllt und er müsse erstmal den Zugbegleiter fragen. Aber wahrscheinlich habe es eh keinen Zweck!

DB Schlacht

Langsam habe ich genug von dieser Jammerei und frage ihn geradeheraus, was er eigentlich unter einer Serviceleistung versteht, ich will ja nur eine Lösung und wenn es um den VFB geht, kenne ich keine Gnade! Ich bin kurz davor, auszurasten, aber der Service-Mensch kommt mir zuvor und flippt aus: Er habe jetzt langsam die Schnauze voll. Er sei schon vierzig Jahre bei der Deutschen Bahn und habe absolut keinen Bock mehr auf dieses Theater jeden Tag. Er würde sich jetzt krankschreiben lassen, damit er diesen Stress endlich loshabe, verkündet er. Ich bin einigermaßen perplex und finde es nach kurzer Sprachlosigkeit fast schon witzig. Immerhin ist der Gute so pflichtbewusst, dass er tatsächlich nachfragt, ob in dem späteren Zug noch ein freier Rollstuhlplatz ist.
Derweil verdrücke ich mich, um weiteren Wutausbrüchen zu entgehen. Nach ein paar Minuten kommt eine überaus freundliche Bahn-Mitarbeiterin auf mich zu und teilt mir mit, dass ich den nächsten Zug nehmen kann. Also, geht doch!

Als mein Kumpel endlich eintrifft, überbringe ich ihm sofort diese freudige Botschaft und das Beste: Im Stadion entschädigt mich der VFB mit drei Toren in sechs Minuten!! Wenn sich das mal nicht gelohnt hat, denke ich mir und könnte platzen vor Freude.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Lass dir niemals von einem Bahn-Service-Mitarbeiter die Laune verderben!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Es gibt immer eine Lösung.

 

 

Fahren mit Bahn und Straßenbahn muss gelernt sein

Ich kann ausnahmsweise einmal gemütlich zur Straßenbahn fahren und es kommt sogar eine rollstuhlgerechte Bahn mit Klapprampe. Wer aber glaubt, dass ich damit aller meiner Sorgen entledigt bin, täuscht sich gewaltig. Spätestens beim Ausstieg am großen Busbahnhof kommt es öfter zu Komplikationen. Die Menschen stehen dicht gedrängt am Bahnsteig und Einige kleben mit der Nase förmlich an der Straßenbahnscheibe, noch bevor diese zum Stehen kommt. Kaum öffnet sich die Türe, stürmen die Menschen in die Bahn, als ginge es ums nackte Überleben. Natürlich stehen ein paar Spezialisten mitten auf der Klapprampe. Als der Schaffner die Klappe herunterklappen will, um mich herauszulassen, muss er sie erst mal deutlich auffordern, Platz zu machen. Ich bin froh, als ich draußen bin und die Bahn ihrem weiteren Schicksal überlassen kann.

Beim Ausstieg aus dem Bus ist das Ganze noch eine Nummer komplizierter, da ich erst durch den schmalen Gang fahren muss, am Fahrer vorbei, um auf die elektrische Rampe zu kommen. Natürlich geben mir die meisten Menschen keine Chance dazu, da sie sofort einsteigen. Dann wirds schön kuschelig und ich muss mich an einigen Leuten, die große Augen machen, vorbeiquetschen. Es ist nervig und uneffektiv und zeigt einfach, dass wir Deutschen ein bisschen mehr Disziplin nötig haben. Noch schlimmer ist es aber, wenn man als Rollstuhlfahrer mit ganz vielen Menschen am Bahnsteig steht, was vor allem nach Großveranstaltungen vorkommt: Wenn ich meine Helfer nicht anweise, sich vorzudrängeln und ihre Ellenbogen einzusetzen, schaffe ich es nicht in die Bahn. Es ist ganz klar: Wer nicht als erster die Bahn entert, ist verloren: Eine Schande, die kein Mensch jemals ertragen könnte.

Bahnfahrt

Schon traurig, dass Ordner zwingend nötig sind, um ein absolutes Chaos zu verhindern. Kürzlich war an der Bahnhaltestelle mal wieder die Hölle los: Ein paar Jungs haben Junggesellenabschied gefeiert. Als sie in die Bahn steigen, sind sie alles andere, bloß nicht nüchtern und bleiben mitten in der Bahn stehen. Es ist scheinbar kein Durchkommen mehr, aber die Jungs müssten einfach nur aufrücken. Obwohl sie total neben der Spur sind, bekommen sie das gerade noch hin und ich kann mich irgendwie in die Bahn quetschen. Allerdings zu dem Preis, dass ich fast keine Luft mehr bekomme. Kaum zu glauben, dass Fahrradfahrer manchmal sogar freiwillig aus der Bahn oder dem Bus steigen, um Platz zu machen. Es gibt also Lichtblicke und im Grunde finde ich es toll, dass ich die Möglichkeit habe, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Bei der Fahrt mit Bus und Bahn sind gute Nerven zwingend erforderlich.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Beim Ein – und Aussteigen in öffentliche Verkehrsmittel Mitdenken und Rücksichtnahme nicht vergessen!

 

Unterwegs mit der Straßenbahn

Ich bin mal wieder zu spät dran und versuche die einfahrende Bahn irgendwie noch zu erreichen. Mein Helfer rennt zur Bahn, um die Türe zu blockieren. Ich kämpfe derweil mit anderen Problemen, komme kaum vorwärts, da ich nicht mehr in der richtigen Position sitze. Eine ältere Frau versucht verzweifelt, mich anzuschieben. Gut gemeint, aber ein E-Rollstuhl lässt sich nicht einfach schieben und man macht eher mehr kaputt, als dass es hilft.

Zum Glück schaffe ich es noch, da ich es mit einem sehr netten Fahrer zu tun habe, ein Positivbeispiel für alle anderen Fahrer. In der Bahn stehe ich neben einer geistig behinderten Frau und Sie möchte die Uhrzeit wissen. Eine ältere Frau neben ihr – vermutlich ihre Mutter – gibt ihr einen Stoß in die Seite. Ich könnte mich über dieses Verhalten aufregen und das steigert sich noch, als sie mich belehrt, auf welcher Seite ich aussteigen soll. Draußen bespreche ich die Szene mit meinem Helfer und er klärt mich auf: Es war nicht die Mutter der behinderten Frau, sondern ebenfalls eine geistig behinderte Frau.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: OK, so kann man sich täuschen!

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Bitte versuche niemals ohne Anleitung einen E-Rollstuhl zu schieben!

Ein Gedanke zu „Öffentliche Verkehrsmittel

  1. Hallo Marcel,
    großartig wie Du alltägliche Situationen mit deinem eigenen feinen Humor bereicherst. Ich lache jetzt noch – vielleicht erkennt man sich ja in deinen Beschreibungen immer etwas selbst 😉
    Mach weiter so – Werner ,der viel von Dir lernt.

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