Teil 4 : Eine hübsche Verlagsmitarbeiterin und Malu Dreyer

Wir fahren in Halle 3 und nehmen dort beide Ebenen in Angriff. Für mich ist der Bereich zum Thema Self-Publishing von größtem Interesse. Bei meiner Rundfahrt durch die Halle begegnen mir keine neuen Trends, sondern Angebote, die ich teilweise schon von Recherchen im Internet kenne. Immerhin habe ich hier die Chance, das eine oder andere persönliche Beratungsgespräch zu führen. Ich fahre bei BoD, einem der führenden „Self-Publishing“-Anbieter, vorbei und lasse mir das günstige Einsteiger-Angebot für Autoren erklären. Danach fällt mir noch der Stand von Printsystem Medienverlag aus dem Großraum Stuttgart auf. Es ist ebenfalls ein kleiner Verlag, der für Neuautoren wirbt und einen Vortrag mit dem Titel „Was für einen Neuautor wichtig ist“ ankündigt. Nebendran präsentiert sich die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts“, die unter anderem Bücher von Politikern vorstellt. Nachmittags ist die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer angekündigt, die bekanntermaßen mit Multipler Sklerose (MS) lebt. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sie eine Behinderung hat und damit ihr straffes Programm meistert, gehört sie zu meinen absoluten Lieblingspolitikern. Sie kommt sehr authentisch und überaus sympathisch rüber, auch wenn ich weiß, dass Eindrücke in den Medien täuschen können. Aber alles, was ich bisher von ihr hörte, klang logisch und nachvollziehbar.

Wahrzeichen: der Messeturm © Frankfurter Buchmesse/Alexander Heimann

Danach brauche nicht nur ich dringend eine Verschnaufpause, sondern auch mein Assistent, der jeden Meter zu Fuß zurücklegen muss. Wir kämpfen uns langsam aber stetig durch die Menschenmengen nach draußen. Mein Assistent holt vom Auto die Reisetasche mit allen Utensilien zum Hinliegen und wir fahren zur Sanitätsstation. Dort kennt mich scheinbar keiner mehr, obwohl ich erst vor einem Monat dort war. Einer der Mitarbeiter zögert, weil er denkt, die Liege sei zu hoch. Nach wenigen Minuten belehren wir ihn eines Besseren. Während ich durchschnaufe, ziehe ich ein erstes Resümee. Für mich war der Besuch jetzt nicht ganz „Das“, was ich mir versprochen hatte. Ich bin daran nicht unbeteiligt, denn im Vorfeld habe ich mir keinen genauen Plan gemacht, was ich mir alles anschauen möchte. Allerdings ist das auch nicht so einfach, wenn man von einer Veranstaltung keine genauen Vorstellungen hat und sich erst einmal einen Eindruck verschaffen möchte. Meine Bekannte, die schon mehrmals auf der Buchmesse war und uns bei der Fahrt durch die Hallen gut hätte unterstützen können, ist heute leider krank. Für nächstes Jahr nehme ich mir vor, gezielt 3-4 Verlage und Autoren anzuschauen sowie an mindestens zwei Lesungen teilzunehmen. Ich will ja wissen, wie es die Kollegen machen und mir vielleicht das eine oder andere Detail abschauen.

Ken Follett © Frankfurter Buchmesse/Anett Weirauch

Nachdem ich wieder einigermaßen auf der Höhe bin, geht es weiter, ohne dass ich zwischendurch mal etwas gegessen hätte. Aber mich kurz abzulegen und noch etwas vom angekündigten Vortrag mitzubekommen, war mir einfach wichtiger. Zu spät bin ich trotzdem, bekomme aber immerhin noch einen Bruchteil des Vortrages mit. Leider verstehe ich durch den hohen Hintergrund-Lärmpegel fast nichts, aber mir ist sofort klar, dass der Redner kein Schwätzer hohler Phrasen ist. Vielmehr ist es ein sehr erfahrener Verleger und ich will unbedingt mit ihm reden. Aber das haben sich auch noch ein paar andere Messebesucher gedacht. Deshalb nimmt sich seine junge Assistentin meiner an und erklärt mir das Konzept. Ich hätte zwar lieber mit dem Chef gesprochen, aber mit so einer hübschen jungen Frau, die nicht abgehoben erscheint, unterhalte ich mich natürlich sehr gerne. Plötzlich frägt sie mich, ob es in Ordnung sei, wenn sie sich neben mich auf einen Stuhl setze. Sie müsse schon den ganzen Tag stehen, wirbt sie bei mir um Verständnis. Ich finde es sogar gut, denn zum einem kann ich das Argument gut nachvollziehen, zweitens reden wir so auf einer Ebene miteinander und last but not least kann ich genau in ihre schönen Augen schauen.

© Frankfurter Buchmesse/Marc Jacquemin

Aber nicht nur die junge Dame klagt über diverse „Steh-und Geh-Probleme“ – meine Bekannte schickt mir eine Nachricht, dass sie inzwischen wegen Plattfüßen ihren Messebesuch beendet habe. So geht es auch meinem Assistenten, aber an der Buchvorstellung von Malu Dreyer führt kein Weg vorbei. Und ich werde nicht enttäuscht, denn auch live wirkt sie wahnsinnig freundlich und hat einfach Ausstrahlung. Mit ihren Aussagen ringt sie den Zuhörern einerseits Respekt ab, andererseits bringt sie immer wieder alle zum Lachen. Ganz am Rand fällt mir ihr Dreirad auf, denn zu große Strecken zu Fuß sind wohl zu viel für sie – mehr als verständlich! Danach geht es so schnell wie möglich heimwärts. Obwohl ich erst zu Hause auf die Idee komme, mein Vesper auszupacken und damit meine zweite Mahlzeit des Tages zu mir zu nehmen, bin ich noch erstaunlich fit.

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Wohl dem, der den Messebesuch mit einem fahrbaren elektrischen Untersatz bestreiten kann.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Bitte setzen! – Dann kommunizieren wir auf Augenhöhe.

Teil 3 : Die etwas andere Messe

… und schon wieder geht es nach Frankfurt, dieses Mal ist die Buchmesse dran. Als angehender Buchautor sind ein paar Infos über neueste Trends und Entwicklungen in der Buch-Branche sehr sinnvoll. Diesmal kommen wir zu spät von meiner Wohnung weg und geraten in einen nervigen Stau. Die letzten 20 Kilometer vor der Abfahrt haben wir zähflüssigen Verkehr, danach läuft es wie am Schnürchen. Ich schaffe es tatsächlich, meinen Assistenten auf den richtigen Weg zu lotsen und bin mächtig stolz, das auf Anhieb zu schaffen. Zum Glück ist auch noch einer meiner Stammparkplätze frei. Das schauerliche nassgraue Nieselwetter bringt uns dazu, so schnell wie möglich die „Haupt-Messeader“ zu überqueren, um ins Trockene zu gelangen. Obwohl es schon nach 10:00 Uhr ist, bleibt der typische Messeansturm bislang aus. Mein Kumpel und Rollstuhlfahrer Oli ist mit der Bahn angereist und findet uns relativ schnell. Hier auf der untersten Ebene der Halle 4 finden wir keinen Stand, der uns jetzt besonders anziehen würde und wir fahren eine Ebene höher. Wir sehen den einen oder anderen interessanten Stand und mir springen ein paar schöne Buchcover ins Auge. Leider ist es für mich etwas schwierig, da ich die Bücher nicht einfach in die Hand nehmen und durchblättern kann.

© Frankfurter Buchmesse/Alexander Heimann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren an einer Autorenlesung vorbei, die ich ziemlich langweilig finde und bei mir sofort den Vorsatz auslöst, einmal eine fetzigere und ausdrucksstärkere Lesung für mein Buch abzuhalten. Dann endlich ein Verlagsstand, der mein Interesse anzieht: Der Verlag wirbt speziell um Neuautoren und ich lasse mir kurz deren Konzept erklären. Nur wenige Stände weiter sehe ich plötzlich Bücher mit dem Namen eines mir bekannten Autors, den ich etwas näher kenne. Er hat mich unlängst über die Frage, ob nun der Vertrieb über einen Verlag oder Self-Publishing für mich sinnvoller sei, beraten. Es wird angekündigt, dass er um 14:00 Uhr am Stand ist, aber ich schaffe es leider nicht, zu dieser Zeit dort zu sein.

Lesezelt mit ganz vielen Fans © Frankfurter Buchmesse/Alexander Heimann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit einer anderen Bekannten mache ich per WhatsApp aus, dass wir uns gleich ein Stockwerk höher bei Springer treffen. Sie arbeitet bei dieser Firma und kann mir eventuell einen Kontakt für ein Praktikum herstellen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es handelt sich nicht um Axel Springer, sondern um den wesentlich seriöseren und wissenschaftlich orientierten Springer-Verlag, der auch in Heidelberg ansässig ist. In der obersten Etage bei den Wissenschaftsverlagen wird es ziemlich voll und die Besucher strömen in Scharen. Meine Bekannte findet mich vor lauter Menschen erst mal nicht. Nachdem wir uns gefunden haben, wechseln wir aber schon bald die Halle, da die vielen wissenschaftlichen Themen und Fachbücher sehr schnell langweilig werden. Wir fahren zielstrebig zum Aufzug, um nach unten zu fahren. Zum Glück müssen wir nicht ganz nach unten, sondern können auf der Zwischenebene trocken die Halle wechseln. Das geht sogar relativ unkompliziert, was ich mir für die IAA merken muss. Von oben zeige ich meinem Assistenten den Eingang zur Sanitätsstation. Dann geht die Fahrt im dichten Menschenstrom weiter…

Meine persönliche E-rkenntnis des Tages: Eine Buchmesse ist lange nicht so von Emotionen geprägt wie eine Automesse.

Die E-Gebrauchsregel des Tages: Immer schön die IAA zum Vorbild nehmen, dann kann nichts schiefgehen.